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Plötzlich ohne Eltern: Wer sorgt für verwaiste Kinder?



In Deutschland werden ca. 60% der adoptierten Kinder von Verwanden aufgenommen.
In Deutschland werden ca. 60% der adoptierten Kinder von Verwanden aufgenommen.

Ein Gedanke, den viele Eltern lieber schnell beiseiteschieben: Was passiert mit meinen Kindern, wenn uns etwas zustößt? Wer kümmert sich dann um die Sprösslinge? Wer bekommt das Sorgerecht?

Das Schicksal reißt mitunter beide Elternteile gleichzeitig oder kurz hintereinander aus dem Leben minderjähriger Kinder. Die Gründe dafür sind vielfältig: Ob bei einem Autounfall, einem Flugzeugabsturz, einer Naturkatastrophe, aufgrund eines Verbrechens oder einer tödlichen Krankheit. Aber wer übernimmt die Verantwortung und sorgt für verwaiste Mädchen und Jungen? Fragen, die sich Eltern stellen sollten. Denn man kann durch ein Testament Einfluss auf die Bestimmung des Vormunds nehmen. Wie das geht und welche gesetzlichen Regelungen gelten, hier im Überblick.

Soforthilfe für die verwaisten Kinder

Sobald der Tod der Eltern „registriert wird, schaltet sich in der Regel das Jugendamt ein“, erklärt Piotr Malachowski, Pressesprecher beim Bundesjustizministerium (BMJV), und zwar mit einer Soforthilfe. Denn ein minderjähriges Kind darf in Deutschland nicht alleine in einer Wohnung bleiben. Experten sprechen hier von einer Kindeswohlgefährdung. Also suchten die Mitarbeiter des Jugendamtes Verwandte auf, bei denen die Waisen bis zur Bestimmung des Vormunds zwischenzeitlich leben könnten, erläutert der Rechtsexperte. Und wenn sich niemand findet? Dann „springen die Kindernotaufnahme oder die Jugendschutzstellen ein“, versichert Dieter Verst, Leiter des Jugendamtes Wuppertal, für Babys gebe es die Bereitschaftspflege. Dabei handle es sich aber nur um eine Übergangslösung.

Mit Testament der Eltern: Vormund meist schnell bestimmt

Die Vormundschaft ermittelt dann das Familiengericht. Liegt ein Testament der Eltern vor, in dem sie festlegen, wer das Sorgerecht für die Kinder im Ernstfall übernehmen soll, verkürzt sich die Suche erheblich. Denn: Sofern keine schwerwiegenden Gründe gegen die Person sprechen, hat sich laut Online-Magazin Eltern das Vormundschaftsgericht an das Testament zu halten. Dann könne der von Vater und Mutter bestimmte Vormund entscheiden, wo die Kinder künftig leben würden. Er selbst kann, muss sie aber nicht zu sich nehmen.

Für das Testament gelten übrigens die allgemeinen Regeln: Entweder muss es notariell beglaubigt oder von Hand verfasst und unterschrieben sein. Unverheiratete Paare können kein gemeinsames Testament schreiben, sondern brauchen zwei getrennte Schriftstücke.


Ohne Testament der Eltern: Suche nach geeignetem Vormund

Gibt es keine Regelungen in einem Testament, muss das Familiengericht die Gesamtsituation prüfen. Laut Gesetzbuch werde der Vormund „unter anderem aufgrund der persönlichen Bindung, der Vermögenslage und der Religion bestimmt“, erklärt Piotr Malachowski. Was sich theoretisch anhöre, werde in der Praxis mit Befragungen der Waisen, der Familie und Bekannten bestimmt. Im Notfall müsse das Gericht auch Gutachten anfertigen. Wichtige Fragen hierbei: Wie ist das Umfeld des Kindes? Wer steht ihm nah? Wo ist der Waise gut aufgehoben? Und wie alt ist das Kind?


Taufpaten erhalten nicht automatisch Sorgerecht für Waisen

Ein allgemeiner Irrglaube ist, dass die Taufpaten automatisch zum Vormund werden. „Oft weiß das Familiengericht nichts von einer Patenschaft, wenn keine Taufurkunde vorliegt“, berichtet die Anwältin für Familienrecht Kirsten Michaelsen. Auch andere Familienmitglieder werden nicht ohne weiteres als Vormund eingesetzt. Besonders Großeltern hätten es vor Gericht schwer, erzählt die Fachanwältin: „Diese sind oft zu alt.“

Was, wenn sich kein Vormund für das verwaiste Kind findet?

Ein Kind darf laut Dieter Verst in Deutschland nicht ohne Vormund leben. Die Vormundschaft würde dann das Jugendamt übernehmen. Bis zu 50 Kinder dürfe ein Vormund rechtlich betreuen. Dies bedeute aber nicht, dass die Kinder auch bei ihm lebten, erklärt der Jugendamtsleiter. „Das Leben unter einem Dach und die Vormundschaft fielen in der Realität oft auseinander“, bestätigt Kirsten Michaelsen. In solchen Fällen würden die Waisen in Wohngruppen, Heimen, in Internaten oder Pflegefamilien untergebracht. Eine Adoption komme meist nur bei sehr jungen Kindern in Frage.


Kinder haben bedingtes Mitspracherecht

Bei der Suche nach einem Vormund haben die Kinder auch ein Mitspracherecht: Das Familiengericht hört sie in einem geschützten Raum an und beachtet ihre Wünsche. Alleine entscheiden dürfen Minderjährige laut Piotr Malachowski jedoch nicht, wer in Zukunft für sie sorgen soll. Allerdings dürften Jugendliche ab 14 Jahren die vom Gericht vorgeschlagene Person ablehnen.

Verfahrensbeistand für das Kind

Verwaiste Kinder können sich während des Verfahrens von einem Beistand, den das Familiengericht bestellt, begleiten lassen. Dieser hilft, Abläufe zu erklären und Einfluss bei der Suche nach einem Vormund zu nehmen. Das können Anwälte, Sozialpädagogen, aber auch Sozialarbeiter sein. Zudem dauern dem BMJV-Pressesprecher zufolge die Verfahren um die Vormundschaft nicht lange. Hier gelte der sogenannte Beschleunigungsgrundsatz. Der Grund: Ohne einen Vormund sind Minderjährige bei den meisten Geschäften und Entscheidungen rechtlich nicht handlungsfähig.

(udm, dpa/tmn)

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