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96 Stunden Hilfe für die Obdachlosenambulanz



Innerhalb von 96 Stunden soll die Ambulanz in neuem Glanz erstrahlen.
Innerhalb von 96 Stunden soll die Ambulanz in neuem Glanz erstrahlen.

Die Obdachlosenambulanz am Bahnhof Zoo wird umgebaut. Die medizinische Versorgung der Wohnungslosen läuft dabei parallel weiter. Wir konnten uns selbst von den täglichen Schwierigkeiten, aber auch der herzlichen Stimmung unter Mitarbeitern und Patienten überzeugen.

Am 15.09. startete in Berlin die "96-Stunden-Aktion" vom Rundfunk-Berlin-Brandenburg (rbb). Mehrmals im Jahr unterstützt das Team des Fernsehmagazins zibb gemeinsam mit Zuschauern und Radiohören Berliner und Brandenburger Vereine bei ihren „wohltätigen“ Projekten.

Diesen Monat bekommt die Obdachlosenambulanz der Caritas gegenüber vom Bahnhof Zoo den nötigen Beistand. Die älteste Ambulanz für Obdachlose bietet seit Anfang der 90er Jahre medizinische Hilfe für Betroffene. Von Montag bis Freitag finden wöchentlich etwa 100 Wohnungslose den Weg in die Jebenstraße. Das Gefühl, einfach zu einer Hausarztpraxis der Wahl gehen zu können, kennen sie nicht oder nicht mehr. Die meisten haben keine Krankenversicherung und dürfen nicht von Kassenärzten und -ärztinnen versorgt werden.

Dringende Hilfe für die Obdachambulanz

3.500 Fälle hat die Ambulanz im vergangenen Jahr behandelt. Das überwiegend ehrenamtlich arbeitende Team besteht aus Ärzten und Ärztinnen, Krankenschwestern und -pflegern. Die Zahl der Patienten wächst. Viele kommen aus Osteuropa. Seit 2012 finanziert sich die Caritas ausschließlich aus Spenden. Rund 120.000 Euro im Jahr werden dringend benötigt für Medikamente, Miete, Betriebskosten usw.

Nicht nur finanziell ist der wachsende Patientenstamm für die Ambulanz kaum noch machbar zu bewältigen. Auch die räumlichen Kapazitäten werden zusehends knapper. Allein das Wartezimmer platzt zu Hochzeiten aus allen Nähten. Die Räumlichkeiten müssen unbedingt renoviert werden

96 Stunden zwischen Umbau und medizinischer Ersthilfe

In insgesamt 4 Tagen und Nächten soll die Ambulanz umgebaut, Wände versetzt, Fußböden ausgebessert und alles frisch gestrichen werden. Auch das Mobiliar wie Tresen, Stühle, Behandlungsliegen, Lampen und Co. muss ausgetauscht werden. Große Aufmerksamkeit gilt der Erneuerung der Dusche. „Viele kommen nur zum Duschen zu uns“, erzählt Praxisleiterin der Ambulanz Bianca Rossa. „Aufgrund der Sanierung musste ich heute Morgen schon über 10 Leute wieder wegschicken, die sich zum Duschen anstellen wollten.“ 50 Cent kostet dieses elementare Bedürfnis in einigen öffentlichen Einrichtungen. 50 Cent, die viele nicht haben.

Dienstagmorgen ist schon sehr viel passiert. Die Wand zwischen Empfangsraum und Wartezimmer ist durchbrochen. Der Duschraum befindet sich mitten in der Neu-Installationsphase. Ein Gewusel aus Handwerkern, freiwilligen Helfern und Fernsehteam arbeitet mit Hochdruck. Beeindruckend, schließlich haben viele die Nacht komplett durchgearbeitet.

„Unter der Woche behandeln wir circa 20 bis 25 Menschen pro Tag“, erzählt Frau Rossa. In dieser Woche ist dieses Unterfangen eine besondere Herausforderung aufgrund der zeitgleichen Umbauarbeiten. Die häufigsten Leiden sind chronische Entzündungen, Erkältungen, Hautkrankheiten oder Schnitt- und Quetschverletzungen.

Ein Versorgungs-Zelt für alle Fälle

Damit die medizinische Hilfe nicht aufgrund der Umbaumaßnahmen eingestellt werden muss, steht ein Zelt im Hof der Ambulanz. Der Empfangstresen von den Räumlichkeiten der Ambulanz ist samt Sprechstundenhilfe nach draußen in das Zelt gewandert und nimmt die Patienten nacheinander auf. Vor dem Zelt stehen die Stühle des Wartezimmers. Das sonnige und warme Wetter spielt mit. Immer mehr Hilfesuchende finden den Weg zum Ambulanz-Zelt. Man kennt sich, herzliche Begrüßungen mit Vornamen oder Rufnamen gepaart mit Scherzen. Lachen erfüllt den Raum. In den Gesichtern der Patienten spiegelt sich kein Frohsinn, eher Erwartung. Jeder bekommt einen heißen Kaffee. Einige der Obdachlosen sind sehr kontaktfreudig, gehen direkt auf das Fernsehteam vom rbb zu. Viele sprechen gutes Deutsch oder Englisch. Andere wirken geradezu verängstigt.

Es geht zu wie in jeder Arztpraxis: die Patienten werden nacheinander aufgerufen. Zwei ehrenamtlich arbeitende Ärzte teilen sich das Versorgungszelt an diesem Tag. Viel Platz ist nicht, aber dank der guten Organisation durch die Krankenschwestern läuft alles reibungslos. Die meisten haben bereits eine Karteikarte mit der jeweiligen Krankengeschichte und eine eigene Patientennummer. So kann auch jeder neue Arzt oder jede Ärztin nachlesen, was dem oder der Kranken fehlt. Gerade wenn die Personen keine gängigen Sprachen sprechen.

Jede Minute zählt für die Ambulanz am Zoo

Zwischen Ambulanzzelt und Wartebereich laufen im Sekundentakt Handwerker, Fernsehteam und freiwillige Helfer und Helferinnen entlang. Eine von Ihnen ist bereits Rentnerin, die an ihrer zehnten 96-Stunden-Aktion teilnimmt. Die 64-Jährige engagiert sich seit vielen Jahren ehrenamtlich. Unter anderem auch für die Stiftung Gute-Tat, die es in Berlin, Hamburg und München gibt. Die ganze Woche sei sie unterwegs, ihre Bekannten, die es sich lieber den ganzen Tag gemütlich machen, könne sie nicht verstehen: „Das ist mir zu langweilig. Ich will doch nicht einrosten“, lacht die offensichtlich sehr fitte Frau und schippt Bauschutt in die Schubkarre (siehe Foto oben).

Jede Spende ist willkommen für die Obdachlosenabulanz

Viel zu tun im medizinischen Versorgungszelt.„Jute Nacht.! Um 11 Uhr am Dienstag verabschieden sich die Handwerker aus der Nachtschicht. Immer wieder rufen Firmen an, die Handwerker oder Geld spenden wollen, eine Frau kommt vorbei und bringt ein elektrisches Fußsprudelbad mit. Das trifft sich: Probleme mit den Füßen hat fast jeder Wohnungslose. Denn was kaum jemand ahnt: Sie sind eigentlich ständig unterwegs, laufen täglich ihre Stationen ab. Meist sind ihre Schuhe zu klein, drücken oder scheuern. „Wenn wir ihnen neue Schuhe anbieten, sagen sie darüber keinen Ton, so froh sind sie, überhaupt heile Schuhe zu bekommen“, so Rossa.

Feste Herrenschuhe in den Größen 41 bis 43 werden ständig gebraucht, aber gerade davon hat die Ambulanz in der Jebenstraße stets zu wenig. „Schuhspenden oder Unterwäsche sind jederzeit willkommen“, seufzt Frau Rossa als sie den spärlichen Vorrat im Keller der Ambulanz betrachtet. Auch bezüglich des laufenden Umbaus fehlen noch immer Materialien. Wer helfen möchte, wendet sich direkt an die Ambulanz:

Jebenstraße 3, 10623 Berlin
Tel. 030-31 808 785
Öffnungszeiten: Mo-Do von 10-15 Uhr, Fr 10-13 Uhr

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