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Angst vor Blut und Spritzen?



Ekel vor Blut?
Angst vor Blut und Spritzen (Foto: clipdealer)

Eine Phobie vor Blut, Spritzen und Verletzungen kann den Alltag erschweren und sogar gesundheitsschädigend sein. Mit diesem Ratgeber überwinden Sie die Angst.

In Deutschland leben etwa 3 bis 4 Prozent mit einer Blut- und Verletzungs-Phobie. Frauen sind geringfügig häufiger betroffen. Es handelt sich um eine chronische Erkrankung, die in der Regel im Kindesalter beginnt. Bei den Betroffenen besteht ein erhöhtes Risiko an einer zusätzlichen Angststörung oder Depression zu erkranken. Insofern diese Ängste den Alltag stark beeinflussen oder notwendige medizinische Untersuchungen nicht mehr erfolgen können, gilt die Phobie als Krankheit und sollte behandelt werden. Betroffene vernachlässigen in diesem Fall nicht nur ihre eigene Gesundheit, auch sind sie oft nicht in der Lage, ihren Mitmenschen helfen zu können. Man kann sich vorstellen, wie furchtbar es für Eltern sein muss, wenn Sie ihrem verletzten Kind nicht beistehen können, weil Blut im Spiel ist.

Als Kind hatte Paula sich stets für ziemlich tapfer und mutig gehalten, was Arztbesuche und Krankenhausaufenthalte betraf. Das könnte daher rühren, dass ihr die Uroma stets eingeimpft hatte, Verletzungen (Verbrühung durch kochend-heißen Tee oder Verbrennung beim Versuch, Kuchen aus dem Ofen zu klauen) seien nur halb so wild und Paula wolle doch schließlich kein zimperliches Mädchen sein beim lieben Doktor. Paula begleitete Familienangehörige stets ins Behandlungszimmer und fand das ungeheuer spannend. Bis zu dem Tag – sie war ungefähr 10 Jahre alt – als Paula dabei zusah, wie ihrer Mutter Blut abgenommen wurde. Innerhalb weniger Minuten wurde ihr schwarz vor Augen. Als sie erwachte, lag sie auf dem Fußboden des Arztzimmers und blickte in die besorgten Augen Ihrer Mutter. Paula verstand die Welt nicht mehr. Das hatte Ihr vorher nie etwas ausgemacht, oder? Hatte Sie überhaupt schon mal eine Blutentnahme bei anderen beobachtet?

Eine Angststörung aus Fleisch und Blut

Dieses Erlebnis veränderte alles für das Mädchen. Schon wenn Sie darüber nachdachte, fing es in ihren Händen an zu kribbeln. Es blieb nicht nur bei diesem Unbehagen gegenüber Blutabnahmen – auch bei Bildern, Filmen oder bloßen Erzählungen über Blut oder anderen medizinische Maßnahmen, wurde Paula unwohl. Meist konnte sie das Äußerste – die Ohnmacht – abwenden, indem sie aus der Situation flüchtete: Den Raum verließ, das Programm wegschaltete, Gesprächspartner bat, das Thema zu wechseln usw. Aber nicht immer ließ sich die „Gefahr“ abwenden: Im Biologieunterricht musste sie das Thema „Blut“ überstehen und in der Fahrschule kam Paula nicht umhin, Erste-Hilfe-Maßnahmen zum Thema offene Knochenbrüche zu erlernen. In solchen Extremsituationen konnte sie oft nicht vermeiden, dass das unangenehme Gefühl über das bloße Kribbeln in Händen und Füßen hinausging: Schwitzen, Übelkeit, Schwindel und schließlich Bewusstlosigkeit. Paula, die es überhaupt nicht mag im Mittelpunkt zu stehen, erlebte diese Momente als äußerst peinlich und angsteinflößend. Das steigerte sich im Laufe der Zeit so weit, dass schon die Angst vor einer Ohnmacht, unter den Augen vieler Menschen, eine Ohnmacht auslösen konnte.

Paula ist nur eine von vielen Menschen, die unter Ängsten vor Blut, Spritzen und Verletzungen leiden. Nicht in allen Fällen dieser speziellen Phobie ist es notwendig, eine Therapie zu machen. Wichtig für die Betroffenen ist, dass sie zunächst Ihre Scham verlieren und offen gegenüber Arzt und Angehörigen sind. Erst dann kann aktiv an der Überwindung der Angst gearbeitet werden.

Hilfe für Betroffene und Angehörige mit Angst for Blut und Spritzen

Im Hogrefe Verlag ist ein Ratgeber für Betroffene und Angehörige erschienen, der Strategien zur Ohnmachtsvermeidung aufweist und den Weg in ein angstfreies Leben ebnen kann. Hier ein kleiner Einblick in Angst vor Blut und Spritzen.

Die meisten der Blut-Spritzen-Verletzungsphobie-Betroffenen leiden unter Ohnmachtsanfällen. Bezeichnend ist dabei das Erleben von Ekel. Auch wenn Ekel generell von der Natur eingerichtet wurde, um uns vor potenziell schädlichen Einflüssen zu schützen, kann er auch belastend sein: Im Gegensatz zur Angst kommt es bei Ekel zu einer Abnahme der Herzrate und des Blutdrucks. Jene Prozesse, die auch bei einem Ohnmachtsanfall von Bedeutung sind. Wie anhand von Paulas Erleben beschrieben, schlägt in einer „alarmierenden“ Situation das Herz zunächst schneller und der Blutdruck erhöht sich. Der Körper macht sich für eine mögliche Flucht bereit. Erfolgt jedoch kein Ausweg, weiten sich die Blutgefäße, das Blut sackt in die Beine, das Hirn bekommt nur unzureichend Sauerstoff. Um sich zu schützen, reagiert der Körper mit Ohnmacht. Durch die waagerechte Position im Liegen, kann das Gehirn leichter mit Sauerstoff versorgt werden.

Menschen wie Paula, die Ekel vor Blut empfinden und zudem Angst vor der Ohnmachtssituation haben, sind meist auch von einer Neigung zur Bewusstlosigkeit betroffen. Andere Phobiker wiederum fürchten sich vor allem vor medizinischen Behandlungen: vor den möglichen Schmerzen und vor dem Kontrollverlust, vor dem Ausgeliefertsein. Diese Personen leiden nicht unter Ohnmacht, sondern unter typischen Angstsymptomen, wie Herzrasen, Schwitzen und Atemnot.

Ursache und Überwindung der Phobie

 Wie in Paulas Beispiel tritt die Phobie bereits in der Kindheit auf. Nicht selten besteht eine Weitergabe der familiären Einstellungen zu dem Thema. Für das Kind sind die Eltern und somit auch ihre Vorlieben und Abneigungen Vorbild. Oftmals reichen jedoch schon einmalige negative Erlebnisse aus, um eine Phobie zu bedingen. Für Eltern ist es daher ratsam, sofort Maßnahmen gegen die Entstehung einer Angststörung zu ergreifen. Vermutlich wird der oder die Betroffene nämlich versuchen, den angstauslösenden Situationen zukünftig aus dem Weg zu gehen. Dieses Vermeidungsverhalten verhindert jedoch auch Erfolgserlebnisse. Bei Kindern ist es wichtig, dass sie nach einem angsteinflößenden Erlebnis schnell das Gefühl erfahren, eine Situation erfolgreich gemeistert zu haben. Nur so kann ein Verfestigen der Angst und das Entstehen einer Phobie verhindert werden.

Je älter der Mensch, desto länger besteht vermutlich auch schon die Phobie. In diesem Fall ist es zunächst wichtig, die Symptome der Phobie in den Griff zu bekommen. Der Ratgeber Angst vor Blut und Spritzen zeigt Techniken auf, Angst und Ohnmacht zu begegnen:

Die Methode der Angewandten Anspannung hilft, auf die körperlichen Zeichen einer beginnenden Ohnmacht zu reagieren und somit die Bewusstlosigkeit abzuwenden. Der Ratgeber beschreibt verschiedene Techniken, welche den Blutdruck stabilisieren. Es wird empfohlen, die Techniken ohne bestehende Gefahr zu üben. Eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr vor einer Angstsituation, wie Blutentnahme, kann sehr hilfreich sein.

Im umgekehrten Fall, der Aktivierung durch Angst, empfiehlt sich die Technik der Angewandten Entspannung. Auch hierfür wird eine leicht nachzuvollziehende Anleitung gegeben. Weiterhin werden Anregungen zu Atemübungen, Meditationen und Übungen zur emotionalen Distanzierung angebracht. Solange der Betroffene jedoch weiterhin seine persönlichen Angstsituationen meidet, ist es kaum möglich, die Phobie zu überwinden. Daher ist es notwendig, sich stufenweise den verschiedenen Situationen so lange auszusetzen, bis die Angst abnimmt. Diese Exposition sollte in schwerwiegenden Fällen unter therapeutischer Anleitung erfolgen. Arbeitsblätter im Ratgeber helfen jedoch, eigene Methoden zum Angstabbau zu entwickeln.

Von einer medikamentösen Behandlung ist der Ratgeber wenig überzeugt, da hier nicht das zentrale Problem gelöst wird. Somit handelt es sich bei Blutdruckregulierenden Mitteln in diesem Fall um eine weitere Vermeidungsstrategie und nicht um eine Überwindung der Angststörung.

Angst vor Blut und Spritzen, Hogrefe 2014, ISBN 978-3-8017-2596-9, 8,95 €

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