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Bei Burnout hilft Achtsamkeit



Negative Gedanken tragen zum Burnout bei
Negative Gedanken tragen zum Burnout bei (Foto: clipdealer)

Immer mehr Menschen fühlen sich ausgebrannt und sind von sogenannten Burnout-Symptomen betroffen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft diese Symptome im ICD, dem weltweit anerkannten Diagnoseklassifikationssystem der Medizin, allerdings „nur“ als gesundheitsbeeinflussend ein.

„Burnout“ ist demnach keine eigenständige Krankheit. Dr. med. Dietmar Hansch, der die Abteilung für Kurzzeit-Therapie in einer Akut-Fachklinik für psychosomatische Medizin leitet, geht jedoch weiter und bezeichnet Burnout als eine Spezialform der Depression. In der Urania stellt er sein Buch Burnout: Mit Achtsamkeit und Flow aus der Stressfalle vor. Achtsamkeit bedeutet in diesem Fall, dass wir unsere Aufmerksamkeit auf den gegenwärtigen Moment lenken, den wir dann völlig wertfrei betrachten. Mit Flow ist jener Zustand gemeint, in dem wir in eine Tätigkeit vertieft sind und völlig in ihr aufgehen. Dies kann uns beim Geschirrspülen genauso passieren wie beispielsweise beim Joggen, Handwerken oder Autofahren.

Wann spricht man von einem Burnout?

Nicht jedes länger anhaltende Erschöpfungsgefühl zieht gleich ein Burnout nach sich. Wenn Sie nach einer Woche der Erholung wieder fit sind, müssen Sie sich keine Sorgen machen. Ist jedoch keine Besserung des Zustands eingetreten, muss man von einem medizinischen Problem sprechen, denn dann haben Sie Ihre Erholungsfähigkeit verloren.

Ein Ursachenschwerpunkt für Burnout-Symptome ist auf jeden Fall die Berufsarbeit. Viele Menschen sind überlastet, weil sich die Arbeit verdichtet, sie fühlen sich entfremdet von ihren Tätigkeiten. Veränderungen finden immer willkürlicher statt, und selbst, wenn Menschen ihr Bestes gegeben haben, genügt das oft nicht mehr und Dinge gehen dennoch schief. Hinzu kommen die Beschleunigung in vielen Lebensbereichen sowie eine anstrengende Informationsflut.

Eigenanteile wie Perfektionismus, Überengagement und manchmal auch das Helfersyndrom spielen bei der Entwicklung von Burnout-Symptomen ebenfalls eine Rolle. Oft brechen dann auch noch haltgebende Sozialstrukturen weg und die inneren Ressourcen der Betroffenen sind nicht ausreichend entwickelt, um dem Stress etwas entgegenzusetzen.

Negative Energie führt zum Burnout

Um zu verstehen, wie wir am besten mit Erschöpfungs- oder Burnout-Symptomen umgehen, erklärt Dr. med. Hansch drei unterschiedliche Zustände, in denen wir uns befinden können:

  • Während der positiven Energetisierung herrschen beschwingtes Glück und positive Gefühle vor. Wir sind kreativ, im Flow, gehen offen auf die Welt zu, haben eine hohe Leistungsfähigkeit. Bewertungen und Vergleiche mit anderen finden kaum statt, Probleme werden relativiert. Durch das Positivdenken gewinnen wir in Aufwärtsspiralen immer wieder Energie, die Selbststeuerung gelingt.
    In diesem Zustand ist das Selbst, das für angeborene und automatisierte Kompetenzen zuständig ist, sehr groß.
     

  • Während der negativen Energetisierung verspüren wir freudlose Gereiztheit, negative Gefühle herrschen vor. Wir sind ungeduldig, aggressiv, ziehen uns zurück und haben eine verengte Sicht auf alles. Wir bewerten viel zu viele Dinge, vergleichen uns mit anderen, haben Muss-Vorstellungen und verlieren Energie. Womöglich haben wir sogar funktionale Gesundheitsstörungen. Durch das Negativdenken und eine misslingende Selbststeuerung können wir in eine anhaltende Abwärtsspirale gelangen.
     

  • In diesem Zustand ist das Ich, das für Muss-Vorstellungen, das Denken in Teufelskreisen und inneren Druck zuständig ist, ganz groß und das Selbst sehr klein. Den Zustand der Erschöpfung erreichen wir, wenn wir keinen Ausweg mehr aus der negativen Energetisierung gefunden haben. Dann dominieren uns Antriebslosigkeit, Freudlosigkeit und Apathie. Wir sehen keine Perspektiven mehr, sind zynisch und denken womöglich sogar an Suizid. Die funktionalen Störungen von Körperfunktionen haben sich verstärkt und können sogar zu körperlichen Erkrankungen werden.

Beugen Sie dem Burnout vor

Das können Sie tun zu tun, um gar nicht erst in den Zustand der Erschöpfung zu gelangen:

  • Lassen Sie nicht die negativen Automatismen greifen, sonst geraten Sie in eine Erschöpfungsspirale.
     

  • Agieren Sie bereits während der negativen Energetisierung, indem sie diese verstehen und vor allem lernen, sie bei sich selbst wahrzunehmen.
     

  • Ziehen Sie sich nicht zurück, um sich zu schonen, sonst haben Sie noch mehr Zeit, um nachzudenken und geraten noch schneller in negative Gedankenschleifen.
     

  • Versuchen Sie stattdessen die Methode des sogenannten „Reframing“, bei der sie die Geschehnisse umdeuten, indem sie versuchen, sie in einem anderen Rahmen (engl.: frame) sehen. Wenn Ihnen zum Beispiel mitsamt ihrem Portemonnaie ihre Papiere gestohlen werden, können Sie sich ausgiebig darüber ärgern, obwohl sich ohnehin nichts mehr daran ändern lässt. Oder Sie freuen sich nach der ersten Wut darüber, dass Sie nun endlich einen neuen Führerschein mit einem schönen Foto beantragen können, auf dem man sie im Gegensatz zu dem in der alten Fahrerlaubnis auch heute erkennt.
     

So kann es Ihnen gelingen, zurück in den Zustand der positiven Energetisierung und im besten Fall hinein in Aufwärtsspiralen gelangen, die Sie bewusst nutzen können. Dr. med. Hansch hat diesen Zustand „proaktives Gliding“ genannt. Ein Begriff, den er in Anlehnung an das Segelfliegen gewählt hat, denn auch das gelingt erst mit der Kenntnis über Luftströme und wie man sie am besten nutzt. Das Reframing kostet allerdings zusätzliche Energie, und so gelingt es leider nicht immer. Aber Reframing kann geübt werden, auch indem Sie Ihre Kreativität und geistige Flexiblität trainieren.

Wenn die Burnout-Symptome bereits da sind

Wenn Sie sich bereits im Zustand der Erschöpfung befinden und eine Auszeit nehmen, zum Beispiel in Form eines vierwöchigen Urlaubs oder mit Hilfe einer Krankschrift, akzeptieren Sie diesen Zustand, anstatt ihn zu bekämpfen. Holen Sie sich Rat in der Fachliteratur, bei einem ambulanten Psychotherapeuten oder in einer psychosomatischen Klinik.

Eventuell müssen Sie sich von belastenden Dingen wie zum Beispiel einem noch nicht abbezahlten Haus, einem zu teuren Auto, einem nervenaufreibenden Job verabschieden. Vielleicht müssen Sie Dinge loslassen und sich neu orientieren. Führen Sie sich vor Augen, dass die Freude über materielle Dinge aufgrund von Gewöhnung flüchtig ist. Lösen Sie sich von den Vorstellungen, materiellen Reichtum anhäufen und sozial aufsteigen zu müssen, um glücklich zu sein.

80 Prozent des Glücks entstehen aus inneren Quellen. Dazu zählen unter anderem Ihre Haltung gegenüber dem Leben, und wie Sie Ihre geistig-kulturellen Ressourcen nutzen: Machen Sie regelmäßig Dinge, die Ihnen Freude bereiten, auch wenn dies manchmal Überwindung und Kraft kostet. Lassen Sie sich treiben, schöpfen Sie Energie aus der Natur, Sport, schöner Musik oder einem guten Essen. Tanken Sie auf, indem Sie gute Rahmenbedingungen schaffen, um positive Gefühle hervorzurufen.

Lösen Sie in schwierigen Situationen die Spannung, indem Sie sich die Ereignisse aus der Distanz angucken: nutzen Sie die Methode der Achtsamkeit, indem Sie sich auf etwas Anderes in der Umgebung oder ihre Atemzüge konzentrieren. Das führt dazu, dass Sie das reale Sein im Hier und Jetzt aufwerten. Sie können diese Methode überall üben: zum Beispiel während Sie Fahrradfahren, Joggen, Geschirrspülen oder sich die Zähne putzen. So automatisieren Sie diesen Vorgang immer mehr.

Selbstverständlich ist Achtsamkeit nicht die Lösung für alles, es gibt schließlich auch gute Erinnerungen und positive Zukunftsträume. Aber es ist generell wichtig, im Hier und Jetzt zu sein, damit sich eine innere Ordnung einstellt. Diese hilft Ihnen, Erschöpfungskrisen zu überwinden.

Dr. Dietmar Hansch, Burnout: Mit Achtsamkeit und Flow aus der Stressfalle, 208 Seiten, erschienen am 3.3.2014 bei Knaur Mens Sana, 12,99 Euro

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