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Empathie und Energie: Traumberuf Physiotherapeut?



Der Physiotherapeut Christian Dietrich bei der Arbeit.
Der Physiotherapeut Christian Dietrich bei der Arbeit.

Christian Dietrich ist erfahrener Physiotherapeut. Welche Perspektiven der Beruf heute hat und was für Voraussetzungen Auszubildende mitbringen sollten, beschreibt er im ausführlichen Gespräch.

TB GUIDE: Welche Motivation hatten Sie, diesen Beruf zu wählen?

C. Dietrich: Ach das ist die übliche Geschichte: Eigentlich bin ich ursprünglich gelernter Zentralheizungs- und Lüftungs-Bauer. Das war aber nicht so mein Ding, und als auch ein mehrjähriges Intermezzo im Handel nicht den gewünschten Erfolg brachte, habe ich mich nach etwas Passenderem umgesehen.

Letztlich hat mich mein Bruder drauf gebracht: Während und nach der Zeit als Heizungsbauer hatte ich ziemlich mit Rückenschmerzen zu kämpfen und hab mich zunehmend mit sportlichem Ausgleich auseinander gesetzt. Da schlug er mir vor, mein Hobby zum Beruf zu machen. Damit hatte er einen Nerv getroffen, denn eigentlich wollte ich schon als Jugendlicher Physiotherapeut werden.

Schließlich hat mir das Arbeitsamt eine Ausbildung als Physiotherapeut finanziert. Das war ein ziemliches Glück für mich. Denn es gibt relativ wenig staatliche Schulen, die meisten sind privat und Privatschulen sind ziemlich teuer. Das bewegt sich im Rahmen zwischen 300 und 700 Euro monatlich.

Unterstützung im Alltag durch Physiotherapie

TB GUIDE: Und wo sind Sie nun beruflich gelandet?

C. Dietrich: Mittlerweile bin ich seit 8,5 Jahren als Physiotherapeut tätig. Seit ein paar Jahren arbeite ich in der „Berufsbildungswerk im Oberlinhaus gGmbH“ in Potsdam mit Jugendlichen, die aufgrund psychischer oder physischer Behinderungen nur schwer für das Berufsleben ausgebildet werden können. Die Jungs und Mädels sind maximal 30 Jahre alt - die meisten zwischen 16 und 25. In unserer Einrichtung erhalten sie eine entsprechende Berufsausbildung und bekommen, je nachdem wie schwerwiegend die Einschränkungen sind, auch Physiotherapie.

Physiotherapeut C. Dietrich erleichtert Jugendlichen den Alltag. Die Erkrankungen der Rehabilitanden reichen von leichten Einschränkungen bis hin zu schweren Mehrfachbehinderungen. Das betrifft unter anderem den neurologischen Bereich wie zum Beispiel Halbseitenlähmungen oder Tetraspastik. Ziel ist eine Eingliederung in den Arbeitsmarkt in allen denkbaren Berufen, zum Beispiel Tätigkeiten im Büro, im Handel oder handwerklich als Metallbauer, Tischler, Drucker, Buchbinder etc. Gefördert werden die Ausbildungen durch die Agentur für Arbeit.

TB GUIDE: Was sind Ihre speziellen Aufgaben als Physiotherapeut?

C. Dietrich: Parallel zur Ausbildung bekommen die Azubis unterstützende Physiotherapie, damit sie den Alltag meistern können und nicht extern Physio in Anspruch nehmen müssen. Es geht darum, dass die Jugendlichen über die Physiotherapie selbstständiger werden.
Das heißt, wenn sie Schmerzen haben, werden diese behandelt. Wenn sie muskuläre Defizite haben, werden diese aufgearbeitet. Bei neurologischen Problemen geht es eher um grundlegende Sachen wie eine Gangschule:

Wenn man dauerhaft in diesen pathologischen Mustern läuft, beziehungsweise eine falsche Bewegung ausführt, hat man irgendwann mit Überlastungserscheinungen zu kämpfen. Um das abzubremsen und zu verbessern, sind wir Physiotherapeuten im Berufsbildungswerk da.

Allerdings sind auch Patienten mit einer deutlich schlechteren Prognose darunter. Hier ist es unsere Aufgabe, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und den Alltag zu erleichtern.

TB GUIDE: Das klingt ganz so, als hätten Sie es in Ihrem Beruf auch mit vielen Schicksalen zu tun, was wiederum besonders emotionale Fähigkeiten erfordert?

Ja, das ist leider auch oft das größte Problem in diesem Beruf. Die Herausforderung besteht darin, den Spagat zu schaffen, empathisch zu sein und sich gleichzeitig abgrenzen zu können. Das kennt man ja auch aus anderen Berufen im sozialen Bereich.

Pysiotherapeuten brauchen Empathie und viel Energie für ihren Beruf

Eine Ausbildung als Physiotherapeut/-in ist anspruchsvoll und teuer. TB GUIDE: Worin bestehen also Ihrer Meinung nach die speziellen Herausforderungen des Berufs als Physiotherapeut/-in?

C. Dietrich: Man muss immer daran denken, dass die Menschen, egal in welcher physiotherapeutischen Einrichtung man tätig ist, meist zu einem kommen, weil sie Schmerzen haben, eine Behinderung oder sonstige Traumata.

Zudem muss man auch in der Lage sein, trotz des speziellen Wissens, das man hat, sich dem Patienten anzupassen und mit Selbigem auf einem für ihn oder für sie verständlichem Niveau zu sprechen.

Und selbstverständlich sind die Patienten auch nicht alle klein und leicht: Die besondere Herausforderung eines Physiotherapeuten ist daher stets die mentale Belastung einerseits und andererseits die eigene körperliche Forderung.

Die Physiotherapie in Gefahr? Rückläufige Auszubildendenzahlen

TB GUIDE: Wie schätzen Sie die momentanen Zukunftsaussichten in der Branche ein?

C. Dietrich: Für den Beruf des Physiotherapeuten muss man viel Liebe und Motivation mitbringen: Der Branche geht es momentan nicht besonders gut. Einerseits ist als Folge des demographischen Wandels unheimlicher Bedarf da. Andererseits lassen die Ausbildungszahlen nach und die Vergütung durch die Kassen steigt kaum, beziehungsweise gar nicht, und deckt so nicht einmal die Inflationsrate ab, geschweige denn, dass sie die gestiegenen Kosten für Energie und Mieten ausgleicht.

Als Folge stagnieren die Gehälter der Therapeuten. Ein Personalmangel ist unausweichlich. Es kommt bezüglich der Lohnaussichten natürlich immer drauf an, wo man arbeitet, aber gerade im Praxisbereich ist es schwierig. Zusätzlich ist gerade hier der Arbeitsdruck ziemlich hoch. Gleichzeitig hat man ständig Fortbildungen, die sehr teuer sind und oft vom Angestellten selbst finanziert werden müssen. Tatsächlich sind nicht nur die Auszubildendenzahlen gesunken, auch wechseln viele die Branche, obwohl sie ihren Beruf gern ausüben.

Es muss sich also dringend etwas ändern, um diesen tollen Job wieder interessant zu machen.

TB GUIDE: Wie sind die Weiterbildungs- und Karrierechancen als Physiotherapeut/-in?

C. Dietrich: So wie ich selbst, entscheiden sich momentan viele für einen Wechsel, beispielsweise für ein Studium. Es gibt einerseits die Möglichkeit ein Studium im Bereich Physiotherapie zu machen, was aber nicht wirklich eine Veränderung mit sich bringt. Ich habe eine etwas andere Richtung eingeschlagen und mich für das Studium der "Angewandten Gesundheitswissenschaften" entschieden.

Das geht eher in die Richtung Prävention. Man arbeitet dann nicht mehr als praktischer Physiotherapeut. Stattdessen ist man dafür verantwortlich, Präventionsprojekte zu entwickeln, zu fördern, durchzuführen und zu evaluieren. Das kann für Träger des Gesundheitssystems sein, wie zum Beispiel für Krankenkassen. Ich kann aber auch in großen Firmen arbeiten und dort Gesundheitsprojekte, betriebliche Gesundheitsförderung etc. organisieren, ganz nach dem Motto „Prävention vor Reha. 

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