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Ernährung für Kinder mit ADHS und Autismus



Neue Wege aus der Krankheit: Ernährung für Kinder mit ADHS und Autismus
Die diätischen Gerichte müssen dennoch optisch ansprechend sein.

Es ist keine Neuigkeit, dass eine gesunde Ernährung essentiell für unser Wohlbefinden ist. Die Wirkung bestimmter Nahrungsmittel auf die Gehirnfunktion und –gesundheit ist hingegen ein relativ neues Feld in der Medizin. In dem Ratgeber Kochen für Kinder mit ADHS und Autismus, erschienen im Hans Huber Verlag, geht es um eine spezielle caseinfreie und glutenfreie Diät, die zu großartigen Erfolgen führen kann. Kreative Tricks und leckere Rezepte erleichtern den Weg für Eltern und Kind.

Das gemeinsame Werk der Kinderärztin Pamela J. Compart und der Ernährungswissenschaftlerin Dana Laake erläutert zunächst die zwei häufigen Kinderkrankheiten ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom) und autistische Spektrumsstörungen.

Im Falle dieser Leiden geht es nicht um die klassische gesunde Ernährung, sondern vielmehr um die richtige Nahrung. Das Grundproblem liegt in der unvermögenden Verdauung der kleinen Patienten. Casein (Milcheiweiß) und Gluten (pflanzliche Eiweiße) sind in den quasi „bösen“ Lebensmitteln enthalten und müssen strikt gemieden werden. Ersatzlebensmittel sollen den Eiweiß- und Kohlehydratbedarf decken. Das ist nicht nur problematisch, weil der Appetit der betroffenen Kinder äußerst wählerisch und eingeschränkt ist. Auch besteht meist eine regelrechte Sucht nach den verbotenen Lebensmitteln.

Der Ratgeber ist an die Bedürfnisse von Kindern mit den genannten Krankheiten angepasst sowie an sonstige Verhaltens- und Entwicklungsprobleme. Zudem sind die Ernährungsumstellungen und die passenden Rezepte für die ganze Familie konzipiert. Schnelle und dennoch raffinierte Gerichte erleichtern den Alltag für gestresste Eltern und die Einführung in den Ernährungsplan des Kindes. Natürlich ist der Ratgeber kein Wundermittel: In vielen Fällen genügt es zwar bereits, die Ernährung komplett umzustellen. Andere Patienten hingegen sprechen auf eine Kombination aus Diät, Nahrungsergänzungsmitteln, Ergotherapien und/oder Medikamente am besten an.

Veränderte Darmwanddurchlässigkeit

Es ist wichtig, die problematischen Symptome, um die es bei den beiden Erkrankungen geht, von einer traditionellen Lebensmittelallergie zu unterscheiden. Eine Allergie geht mit Begleiterscheinungen wie Niesen, Ausschlägen oder Atemwegsproblemen einher. Die Symptome einer Unverträglichkeit oder Empfindlichkeit gegenüber bestimmten Stoffen hingegen setzen meist nicht sofort ein und halten auch viel länger an.

So kann sich die Unverträglichkeit auf die Haut (z.B. Ekzeme), auf die Verdauung (z.B. Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung), auf das Herzkreislauf-System (z.B. Bluthochdruck), auf das neurologische System (z.B. Migräne), auf die Psyche (z.B. Depressionen, Schlafstörungen) oder auf das Verhalten (z.B. ADHS- oder Autismus-Symptome) auswirken. Doch wie kommt es zu diesen Unverträglichkeiten?

Bei gesunden Menschen werden aufgenommene Lebensmittel im Dünndarm verdaut und in kleinste Bestandteile zerlegt – sie werden verträglich gemacht. Durch die Darmwand gelangen sie in den Blutkreislauf und schließlich zu den wichtigen Organen, zum Beispiel in das Gehirn. Ist die Darmwand hingegen beschädigt oder weist der Körper einen Mangel an Verdauungsenzymen auf, gelangen die problematischen Stoffe ungefiltert in den Blutkreislauf. Die meisten Komplikationen treten mit Eiweiß aus Milch, Weizen oder Soja auf.

Eiweiße bestehen aus einer Kette von Aminosäuren. Diese „Kette“ wird von den Verdauungsenzymen auseinandergenommen und die einzelnen Aminosäuren gelangen durch die Darmwand, um anschließend in anderen Kombinationen zusammengesetzt zu werden. Diese Neu-Kombinationen (Peptide) werden entweder vom Körper erkannt und verwendet oder sie werden nicht erkannt und als Eindringlinge bekämpft. Bei Kindern mit ADHS oder Autismus fehlen diese Schutzmaßnahmen durch Enzyme oder funktionierende Darmwand. Die Stoffe gelangen ungehindert ins Gehirn und lösen dort eine Art Kurzschluss aus, welche zu den typischen Symptomen von ADHS oder Autismus führen kann.

Opiate und „Milchjunkies“

In vielen Fällen kann es dazu kommen, dass die Aminosäurekombinationen oder Peptide auf eine bestimmte Weise angeordnet sind, die wie Opiate aussehen und auch so wirken. Viele Eltern beobachten, dass ihre Kinder ein heftiges Verlangen nach Milch oder Weizenprodukten haben. Ähnlich wie bei Drogenabhängigen reagieren sie mit Entzugserscheinungen wie Reizbarkeit, wenn diese Produkte nicht regelmäßig zugeführt oder gestrichen werden. In dem Ratgeber heißt es treffend: Es sind nicht die Lebensmittel, die man vermeidet, die einen krank machen. Es sind die Lebensmittel, die man täglich verlangt und isst!

Eliminationsdiät

Das Buch Kochen für Kinder mit ADHS und Autismus gibt einen ausführlichen Überblick, in welchen Lebensmitteln Gluten und Casein enthalten sind. Casein ist dabei die Hauptursache für Lebensmittelempfindlichkeiten bei ADHS und Autismus. Oft sind diese Stoffe versteckt in Nahrungsmitteln, in denen man diese nie vermutet hätte, so zum Beispiel in Dosenthunfisch, Senf oder Pfefferminzbonbons. Die Einschränkungen sind natürlich dementsprechend hoch, und es wird eine gesonderte Aufmerksamkeit von der Familie und den Erziehern abverlangt.

Daher bietet der Ratgeber eine ebenso umfassende Übersicht über notwendige und mögliche Alternativen. So kann zum Beispiel statt Weizen Buchweizen und statt Gluten Reis verwendet werden. Statt tierischer Milchprodukte bieten sich Kokosmilch und Wassereis, wenn eine Caseinunverträglichkeit vorliegt. Unbedingt vorsichtig sein sollten Eltern mit Soja. Dies mag zwar im Fall von Laktoseintoleranz hilfreich sein, wird jedoch allgemein von vielen Menschen schlecht vertragen. Es kann eine ähnliche opioide Wirkung wie Gluten und Casein haben. Das Gleiche gilt für Mais.

Die Trojanertechnik

Inwiefern die schädlichen Lebensmittel abgesetzt werden, muss je nach Fall unterschieden werden. Aufgrund der drogenähnlichen Wirkung stellt die Ernährungsumstellung für Eltern und Kind eine besondere Herausforderung dar. Die Entzugserscheinungen sind zwar in der Regel nach ein paar Tagen verschwunden, doch viele Kinder essen in dieser Zeit noch weniger, beziehungsweise verweigern die Nahrung komplett. Es empfiehlt sich, die ungünstige Nahrung schrittweise abzusetzen und die Ersatzlebensmittel durch das Hintertürchen einzuführen.

Die Nebenwirkungen der Entzugserscheinungen sind so mitunter nicht allzu heftig. Dannn gilt es jedoch, die Diät streng einzuhalten. In diesem Fall helfen Erfindungsreichtum und geschicktes Austricksen: In Pfannkuchenteig oder kleinen Kuchen, Muffins und Pürees lassen sich prima Gemüse, Obst, Eier und Fleisch und Fisch „verstecken“. Auch wenn es zunächst schwierig erscheint – die Resultate sind herausragend und können bereits nach Tagen, Wochen oder Monaten bemerkbar sein. Die Verdauung kann sich soweit erholen, dass der Patient rehabilitiert ist und ein „normales“ Leben ohne Nahrungsmitteleinschränkungen führen kann.

Das Buch bietet zudem tolle Ideen und Rezepte für Frühstuck, Pausenbrot und Mittagsgerichte in der Schule. Wichtig ist es hierbei, dass sich das Essen optisch nicht von dem der anderen Kinder unterscheidet und genauso verspielt angerichtet wird. Doch auch Vorschläge für Dips, Hauptgerichte, Eintöpfe und Desserts für die ganze Familie am Abendbrottisch und am Wochenende lassen kaum Wünsche offen. Sehr viele der leckeren Rezepte und Kniffe stammen von betroffenen Eltern selbst. Es kann mitunter auch sehr sinnvoll sein, einen erfahrenen Ernährungsspezialisten hinzuzuziehen.

Tipps und Empfehlungen

  • Compart und Laake weisen mehrmals darauf hin, nicht von der Diät abzuweichen, da die körperlichen Folgen für die Kinder dramatischer sind als ein kleines Glas Kuhmilch es vermuten lässt. Insbesondere Großeltern oder Tanten und Onkel meinen es gut mit den Kleinen und wollen sie verwöhnen. Der Ratgeber bietet für diese Fälle Erste-Hilfe-Tipps.
     

  • Alle Menschen im näheren Umfeld des Kindes, wie Lehrer, Therapeuten, Erzieher, Schulfreunde etc. sollten von der Diät in Kenntnis gesetzt werden, um versehentliche Nahrungsmittelgaben zu vermeiden. Der Austausch mit anderen betroffenen Eltern erleichtert die Situation oftmals.
     

  • Aufgrund der Verdauungsprobleme leiden autistische Kinder und ADHS-Patienten meist an starken Mangelerscheinungen: Vitamin A, Magnesium, B-Vitamine, essentielle Fettsäuren, Vitamin D, Vitamin E und insbesondere Zink. Zinkmangel kann zu einem anormalen Geschmacks- und Geruchssinn führen. Nahrungsergänzungsmittel und die Gabe von Verdauungsenzymen können daher viel bewirken.
     

  • Es sollten bevorzugt Bio-Lebensmittel verwendet werden. Diese sind nicht belastet mit Pestiziden und giftigen Zusatzstoffen, die die Verdauung zusätzlich beschweren. Eine große „Giftquelle“ ist zum Beispiel Phosphor, welcher sich unter anderem in Softdrinks wie Cola versteckt. Er entzieht dem Körper zusätzlich wichtige Mineralstoffe.

Zunahme von ADHS und Autismus

Es gibt keine genauen Zahlen zu Autismus: weltweit sind circa 67 Millionen betroffen. In Deutschland sind es schätzungsweise ein Prozent der Bevölkerung. Jungen sind dabei viel häufiger betroffen. Genau wie bei ADHS ist jedoch eine starke Zunahme zu beobachten: 2008 lag der Anteil der ADHS-Kinder bei 2,92 Prozent – 2013 schon bei 4,14 Prozent. Beide Krankheiten treten im Kindesalter auf.

Natürlich gibt es kein Geheimrezept gegen Autismus und ADHS. Beides kann – muss aber nicht erblich bedingt sein. Einen deutlichen Hinweis geben jedoch die Zahlen von Stillkindern und Nicht-Stillkindern. Muttermilch ist ein wichtiger Bestandteil der Verhinderung von ADHS und Autismus. Ebenso ist der Schutz der Darmwand des Kindes durch Vermeidung von Antibiotika bedeutsam.

Ausführliche Informationen finden Sie im RatgeberKochen für Kinder mit ADHS und Autismus, Verlag Hans Huber, 39,95 Euro

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