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Gefährliche Sportsucht: Verschleiß und Vereinsamung



Oft stehen Sportsüchtige sogar mitten in der Nacht auf, um Sport zu machen.
Oft stehen Sportsüchtige sogar mitten in der Nacht auf, um Sport zu machen.

Sportsucht kann verschiedene Ausprägungen haben und auf unterschiedliche Ursachen zurückzuführen sein. In jedem Fall bringt der krankhafte Sportzwang großes Leid für die Betroffenen mit sich.

Viele Süchte stellen eine Gefahr für die Gesundheit dar. Im Gegensatz zur Drogensucht oder Essstörung tritt die Sportsucht zwar selten auf, wird aber nicht immer sofort erkannt.

„Sportsüchtige sind bereit, massive gesundheitliche Schädigungen in Kauf zu nehmen, weil sie ja ihre Dosis, sprich ihren Sport haben wollen“, erklärt Heiko Ziemainz, Sportpsychologe und Akademischer Direktor des Institutes für Sportwissenschaft und Sport. Er selbst kennt Fälle, in denen Sportsüchtige blutige und offene Füße haben und bleibende Schäden riskieren.

Verlust der Kontrolle bei Sportsucht

Sportsucht tritt besonders bei ehrgeizigen Laufsportlern und Triathleten auf, aber auch bei Fitnesstudiogängern. Das Tragische an dieser Sucht: „Sie machen Sport nicht aus Leidenschaft, sie genießen es nicht, sondern kommen einem Zwang nach“, so Prof. Jens Kleinert vom Psychologischen Institut der Deutschen Sporthochschule in Köln. Der Kontrollverlust ist das Hauptmerkmal der Sucht. Die Gedanken der Süchtigen drehen sich den ganzen Tag nur um Sport und wie sie diesen wieder schnellstmöglich treiben können.

Sportsucht führt zu Depression und Gelenkverschleiß

Bei einer Sportsucht gehen meist sämtliche Beziehungen kaputt.Sportsucht zählt, anders als zum Beispiel Alkoholismus, zu den Verhaltenssüchten und damit zu den stoffungebundenen Süchten. Ähnlich wie bei Kauf- oder Internetsucht verlieren die Betroffenen häufig den Kontakt zum sozialen Umfeld und vereinsamen mit der Zeit. Meist leidet auch der Job extrem darunter, was häufig im Verlust der Arbeitsstelle mündet. Auf Sportentzug reagieren die Süchtigen mit Reizbarkeit, Schlafstörungen oder Depressionen.

Durch die extreme Überbelastung leidet auch der Körper der Sportler mit der Zeit stark unter der Sucht: Es kann zu einen massiven Verschleiß von Knochen, Bändern und Sehnen kommen. Schmerzen sind die Folge, welche sich mitunter nur durch operative Eingriffe und Prothesen beheben lassen.

Bei zusätzlichen Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie kommt ein gefährlicher Verlust an Körperfett hinzu, der zu Hormonstörungen oder Osteoporose führen kann.

Von der Sportlust zum Sportfrust

„Es ist häufig so, dass die Leute durch sehr kritische Lebensereignisse von einer positiven Bindung an den Sport abgleiten in die Sucht“, erklärt Ziemainz. Besonders Menschen, die wenig Selbstwert haben und perfektionistisch veranlagt sind, können sportsüchtig werden. Der Sport übernimmt die Rolle der Alltagsflucht – diese kurzzeitige Auszeit von den Sorgen gilt als häufige Ursache der Erkrankung. Eine andere Vermutung der Wissenschaft ist die Sucht nach den Glückshormonen, die bei starker sportlicher Aktivität ausgeschüttet werden.


Sportsucht als Folge einer psychischen Störung

Psychologen unterscheiden zwischen zwei Formen der Sportsucht: primär und sekundär.

Bei der selteneren, primären Sportsucht oder auch reinen Sportsucht, stellt das exzessive Verhalten ein Verdrängen der eigentlichen Probleme dar. Weniger als 1 Prozent aller Sportler sind davon betroffen.

Die sekundäre Form ist weitaus häufiger und tritt meist als Begleiterscheinung oder Folge einer anderen Störung auf. Dazu zählen Zwangsstörungen, eine kranke Körperbildwahrnehmung und sehr häufig Magersucht oder Bulimie. Der Sport dient hier hauptsächlich dem Ziel, Gewicht zu verlieren und den Körper zu formen.

Sporttherapie statt Sportentzug

In früheren Therapieansätzen ging man mit Sportsucht ähnlich um wie mit Drogensucht: völlige Abstinenz war die Empfehlung. Mittlerweile verfolgt man andere Ansätze. So startete die Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie am Universitätsklinikum Freiburg Anfang des Jahres eine Studie zur ambulanten Sporttherapie mit Essgestörten. Das Ziel war die Rückkehr zu einem gesunden Umgang mit der Bewegung.

Die Oberärztin Prof. Dr. Almut Zeek erklärt: „Sie sollen lernen, dass es bei Sport nicht nur um Leistung oder das Verbrennen von Kalorien geht, sondern um andere Dinge.“ Schließlich ist Sport gesund und kann auf psychische Erkrankungen einen positiven Einfluss haben. Eine Psychotherapie ist in jedem Fall ratsam bei Sportsucht.

(ik, dpa/tmn)

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