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Gefahr für die Zähne: Verdrängte Aggression!



Einfach mal die Zähne zusammenbeißen. Oder macht das auf Dauer krank?
Einfach mal die Zähne zusammenbeißen. Oder macht das auf Dauer krank?

Schon wieder die Psyche! Neben Magen, Herz oder Rücken soll die Seele jetzt auch noch an Zahn- und Kieferbeschwerden schuld sein. Stimmt das überhaupt?

Vielleicht verschlägt es einem zunächst nur den Atem oder ein Streit macht einem Kopfzerbrechen. Wer sich anschließend die Sache sehr zu Herzen nimmt, sich dann jedoch grundsätzlich zusammenreißt und geknickt die Zähne zusammenbeißt, um das Problem schließlich herunterzuschlucken, steht eigentlich nur noch vor der Frage, wo der körperliche Schmerz zuerst erscheint.

Für nahezu jede gesundheitliche Störung gibt es eine Redewendung, die auf seelische Zusammenhänge hinweist. Das gilt auch für die Zähne.

So kann man sich in etwas verbeißen. Oder auch durchbeißen. Schlecht allerdings, wenn man dabei auf Granit beißt und sich zähneknirschend geschlagen geben muss. Der ein oder andere kaut das Ganze dann im Schlaf noch mal durch und könnte im Traum auf die Idee kommen, der Welt endlich einmal die Zähne zu zeigen. 

Ganzheitliche Betrachtung auch in der Zahnmedizin

Eine ganzheitliche Betrachtungsweise ist auch immer mehr in der klassischen Medizin zu finden.Statt Körper und Seele als zwei voneinander getrennte Einheiten zu sehen, entwickelte der amerikanischen Psychiater George L. Engel Ende der 1970er Jahre das international anerkannte „biopsychosoziale Krankheitsmodell“.

Es bezieht neben der biologischen auch die intrapsychischen, interpersonellen und soziokulturellen Dimensionen als Krankheitsursachen ein.

Eine solche ganzheitliche Betrachtungsweise dringt mehr und mehr auch in die ganz klassische Medizin ein.

Der Leitfaden „Psychosomatik in der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde“ der Bundeszahnärztekammer weist auf den engen Zusammenhang von Seele und Zähnen und damit auf Grenzen der zahnärztlichen Möglichkeiten hin: „Sind die Störungen seelischer Natur, helfen rein zahnärztliche Maßnahmen dem Patienten oft nicht weiter – in der modernen Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde als multidisziplinäres Gebiet ist dann eine Zusammenarbeit mit Ärzten, Psychotherapeuten oder Krankengymnasten gefragt.“ Die Psychosomatik habe in diesem Bereich „einen besonderen Stellenwert, ist doch gerade der Gesichts- und Mundbereich extrem verletzlich, intim und dem seelischen Erleben nah.“

40 kg / cm2 Zahn – wenn der äußere Druck nach innen wirkt

Angst, Stress und Sorgen können zu den unterschiedlichsten Folgen führen – auch im Mund. Die Zahnärztekammer Berlin gibt hierfür ein paar Beispiele:

Zähne zusammenpressen
Zähne zusammenpressen ist nicht gesundBeim häufig unbewussten Zusammenbeißen der Zähne kann auf den Backenzähnen ein Druck von bis zu 40 Kilo pro Quadratzentimeter entstehen. Dabei werden die Zahnwurzeln im Kiefer extrem belastet. Sie drücken auf den Knochen, die Kaumuskulatur verspannt und verhärtet sich. Der Patient hat Kopfschmerzen oder Probleme mit dem Kiefergelenk, doch der Zahnarzt kann nur etwas finden, wenn er die Ursache und die Wirkung berücksichtigt.

Knirschen
Viele Menschen verarbeiten Stress, indem sie nachts ihre Probleme „durchkauen“ und mit den Zähnen knirschen. Durch ständiges Zähneknirschen werden die Höcker auf den Zähnen, dann die Zahnoberflächen selbst abgerieben. Zahnärzte erkennen dies an unnatürlich glatt polierten Kauflächen.

Der Zahnersatz passt nicht
Auch wenn Menschen einen Zahnersatz wollen, um wieder essen, reden und lachen zu können, kommt es vor, dass sie diesen unbewusst als etwas Fremdes ablehnen. Dahinter verborgen ist oft das Gefühl, nun „alt und hinfällig“ zu sein, weil mit „falschen Zähnen“ auch die Vorstellung von Alter und Gebrechlichkeit verbunden ist. Dies tritt verstärkt bei herausnehmbarem Zahnersatz auf, da der Verlust tagtäglich offensichtlich wird.

Zunehmend lassen sich Zahnärzte zusammen mit Psychotherapeuten in Informationsveranstaltungen und Seminaren darin schulen, solche komplexen Zusammenhänge leichter zu erkennen. Zugleich spezialisieren sich auch immer mehr Psychotherapeuten darauf, bei zahnmedizinischen Problemen zu helfen.

Zahnprobleme als Konsequenzen verdrängter Aggressionen?

Zähnefletschen als DrohgebärdeDas Fletschen der Zähne kennt man als Drohgebärde nicht nur in der Tierwelt.

„Mehr Biss zeigen!“ ist eine beliebte Trainerfloskel, die der Uruguayer Luis Suárez während der WM 2014 allzu wörtlich nahm, als er seinem Gegenspieler Giorgio Chiellini tatsächlich in die Schulter biss.

Ob Triumph oder Niederlage – Trainer Jürgen Klopp belässt es beim Zeigen der Zähne, musste deshalb allerdings auch schon einige Spiele seiner Mannschaft auf der Tribüne verfolgen und mehrere tausend Euro Strafe zahlen. Vielleicht vermeidet er jedoch dabei jede Menge Zahnarztkosten.

„Schlechte bzw. kranke Zähne sind ein Hinweis darauf, dass jemand seine Aggressionen schwer äußern bzw. einsetzen kann“, sagen Thorwald Dethlefsen und Rüdiger Dahlke, die dies als ein zentrales Problem sozial hoch entwickelter Gesellschaften sehen. „All diese verdrängten Aggressionen unserer lieben und friedlichen, sozial so gut angepassten Mitbürger treten als ‚Krankheiten’ wieder ans Tageslicht.“

Aggressionen integrieren

Der ehemalige Bayern-Keeper Oliver Kahn, der wegen einer allerdings nur angedeuteten Beißattacke gegen den Dortmunder Heiko Herrlich 1999 in die Schlagzeilen geriet, bestätigte den Zusammenhang einige Jahre später in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: „Das war der Höhepunkt meiner Aggressionen, die sich je in mir entladen haben.“

Wenn Aggressionen keinen Weg nach außen finden, leiden die Menschen nach Dethlefsen und Dahlke „unter ihren eigenen Bosheiten, die sie ein Leben lang nicht wagten, in sich zu entdecken und bewusst zu bearbeiten.“ Sie raten deshalb, Aggressionen nicht einfach zu verdrängen, sondern den aggressiven Persönlichkeitsanteil zu erkennen und bewusst zu integrieren: „Eine integrierte Aggression steht dann als Energie und Vitalität der Gesamtpersönlichkeit zur Verfügung, ohne dass es zur süßlichen Sanftmut noch zu wilden Aggressionsausbrüchen kommt.“

Die Frage „Zähne zeigen oder zusammenbeißen?“ erübrigt sich demnach.

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