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Gegen Missbrauch von Psychopharmaka in der Pflege



Zu viele Menschen in Pflegeheimen erhalten sedierende Medikamente.
Zu viele Menschen in Pflegeheimen erhalten sedierende Medikamente.

In München wurde vor kurzem ein Modell vorgestellt, das den Missbrauch von Psychopharmaka in der Altenpflege reduzieren soll. Die Bundesinteressenvertretung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter (BIVA) fordert einen Einsatz in ganz Deutschland.

In Deutschland leben 2,2 Millionen Pflegebedürftige und die Zahl wird sich in den nächsten zwei Jahrzehnten verdoppeln. Schon jetzt ist fast die Hälfte von ihnen an Demenz erkrankt. Derzeit sind über eine Million Patienten und Patientinnen davon betroffen und laut einer Studie des Zentrums für Sozialpolitik der Uni Bremen wird von ihnen fast ein Viertel zu Unrecht mit Psychopharmaka behandelt.

Psychopharmaka in Münchner Pflegeheimen

Etwa die Hälfte der Bewohnerinnen und Bewohner von Alten- und Pflegeheimen Münchens erhalten Psychopharmaka mit beruhigender oder sedierender Wirkung, was einer Erhebung der Fachstelle für Qualitätssicherung in der Altenpflege zu entnehmen ist.

Darüber hinaus zeigen Daten eines Qualitätsberichts der Münchner Heimaufsicht, dass der Umgang mit Psychopharmaka bedenklich ist. Diese werden voreilig in viel zu großen Mengen verarbreicht, Nebenwirkungen mit anderen Medikamenten werden nicht überprüft und die Vergabezeiten sind in dreiviertel der Fälle unsinnig. Die Münchner Heimaufsicht bemängelt, dass es keine grundlegende Strategie gibt, nach der ärztliches, betreuerisches und pflegerisches Handeln aufeinander abgestimmt werden.

Die „Initiative München, Psychopharmaka in Alten- und Pflegeheimen“ hat sich unter Federführung des Amtsgerichts München (Betreuungsgericht) zum Ziel gesetzt diese Punkte miteinander in Einklang zu bringen.

Warum eine Initiative gegen Psychopharmaka in der Pflege?

Wenn ein Medikament mit sedierender Wirkung verabreicht werden soll, ohne dass der Hauptzweck dieser Gabe die Heilung des Patienten oder der Patientin ist, muss eine betreuungsrechtliche Genehmigung druch das Amtsgericht München vorliegen. Eine medikamentöse Ruhigstellung wird also mit einer mechanischen Fixierung gleichgesetzt.

Genehmigungsanträge für die Verabrechung sedierender Medikante ausschließlich zur Ruhigstellung müssen von Betreuern der Patienten und Patientinnen Anträge beim Betreuungsgericht München gestellt werden. Der Fall wird detailliert geprüft und eventuell durch das Gericht genehmigt. Solche Anträge wurden bisher jedoch nur wenige gestellt.

Um im Pflegebereich eine Sensibilisierung zu erreichen im Umgang mit Medikamenten, die freiheitsentziehende Wirkung haben, wurde im November 2013 vom Amtsgericht München eine Arbeitsgruppe gegründet. Darüber hinaus soll so die interdisziplinäre Zusammenarbeit aller Beteiligten gefördert werden.

Deshalb gehören dieser Gruppe Vertreter des Justizministerium, des Ministeriums für Gesundheit und Pflege, örtlichen Betreuungsbehörden, Fachstellen für Qualitätssicherung in der Altenpflege und Vertreter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen Bayern und des Bayerischen Hausärzteverbandes an.

Ziele für weniger Psychopharmaka in der Pflege

Missbrauch von Medikamenten immer häufiger.Das Genehmigungsverfahren für Psychopharmaka bei Gericht wird in enger Zusammenarbeit mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen Bayern und dem Bayerischen Hausärzteverband stattfinden. Letztere klären in ihren Tätigkeitsbereichen darüber auf, dass Verschreibungen von Psychopharmaka hinterfragt und genehmigt werden müssen.

Berufliche Betreuer und Betreuerinnen werden aufgefordert zu verordneten und verabreichten Medikamente Stellung zu nehmen. Anträge auf Genehmigung einer Medikation werden durch Experten und Expertinnen betreut, die sowohl über pflegefachliches als auch juristisches Wissen verfügen und mit allen Beteiligten auf Augenhöhe kommunzieren können. Sie werden anschließend einen gemeinsam erarbeitete Empfehlung abgeben, die die Basis für eine richterliche Entscheidung darstellt. 

Auf diese Weise kann die Gabe von Psychopharmaka transparent gemacht und im besten Fall reduziert werden. Darüber hinaus wird die Zusammenarbeit all jener gefördert, die in unterschiedlichen Bereichen an der Pflege in Heimen beteiligt sind und so hoffentlich das Wohlbefinden pflegebürftiger Menschen verbessert.

Bereits der sogenannte Werdenfelser Weg - ein in immer mehr Städten eingesetztes Konzept, das auf ein verantwortungsvollen interdisziplinäres Abwägen aller Aspekte setzt - sorgte in München für eine drastische Senkung der Fixierung von Patientinnen und Patienten von 12 auf 5 Prozent innerhalb von nur zwei Jahren. 

"„Es ist mir bewusst, dass die interdisziplinäre Zusammenarbeit im Bereich der stationären Pflege bei der Fülle der Patienten und dem Stellenplan der Pflegekräfte eine enorme Herausforderung darstellt." so Gerhard Zierl, Präsident des Amtsgerichts München. "Ich bin jedoch zuversichtlich, dass die neue Initiative die Lebensqualität der Heimbewohner verbessern und das gegenseitige Vertrauen fördern wird. Die Freiheitsrechte des einzelnen zu achten und zu schützen und so lang wie möglich ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen ist eine grundlegende Verpflichtung unserer Gesellschaft."

Im November dieses Jahres wird eine Tagung stattfinden, auf der Vertreter der Alten- und Pflegeeinrichtungen in München, Fach- und Hausärzte, Angehörigenvertreter und -beiräte, Betreuungsvereine und Vertreter der Psychiatrien in München zu dem Thema informiert werden.

Deutschlandweite Verbesserungen in der Pflege

Die Bundesinteressenvertretung der Nutzerinnen und Nutzer von Wohn- und Betreuungsangeboten im Alter (BIVA) hat sich nun positiv zur Münchner Initiative geäußert. "Pflegebedürftige und deren Angehörige haben überall ein Recht auf Schutz vor dieser Art von Missachtung ihrer Grundrechte auf Würde und körperliche Integrität." so der Vorstandsvorsitzender Dr. Manfred Stegger. Er fordert, die Münchner Maßnahmen in ganz Deutschland umzusetzen. 

Die BIVA fordert einen generellen Verzicht auf freiheitsentziehende Maßnahmen in der Pflege und meint damit mechanische und medikamentöse Interventionen. Dies entspricht dem aktuellen pflegewissenschaftlichen Stand. Erst einmal müsse jedoch eine Reduzierung dieser Maßnahmen und vor allem die Einhaltung des Rechtsweges erreicht werden.

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