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"Ich kann nicht mehr!" Hilfe für Eltern von Schreibabys



"Ich kann nicht mehr!" Hilfe für Eltern von Schreibabys
Schreibabys haben es nicht leicht (Foto: clipdealer)

Mutter und Vater sein ist nicht leicht. Insbesondere in den ersten Lebensmonaten, wenn der neue „Untermieter“ eingezogen ist, haben die frischgebackenen Eltern Startschwierigkeiten. Damit sind sie nicht die einzigen im Haushalt. Auch die Neugeborenen leiden oftmals unter Anpassungsschwierigkeiten, was sich in pausenlosem Schreien äußert: Eine Nerven-Zerreißprobe für die ganze Familie.

1954 wurde von dem US-amerikanischen Kinderarzt Morris Wessel die sogenannte „Dreierregel“ eingeführt: Ein Kind leidet unter exzessivem  Schreien, wenn es an mindestens drei Tagen in der Woche länger als drei Stunden pro Tag schreit und das über drei Wochen hinweg. Tatsächlich brüllen die gemeinten Schreibabys jedoch meist bis in den vierten Lebensmonat hinein oder darüber hinaus. Die Schreiattacken beginnen oft in der zweiten Woche, sind am schlimmsten in den Abendstunden und auch tagsüber kann das Kind nicht länger als 30 Minuten am Stück schlafen. Das Baby hat in vielen Fällen einen aufgeblähten Bauch. Beim Brüllen schlucken die Winzlinge so viel Luft, dass ein Bläh-Bauch entsteht.

Auch deshalb wurde das Schreien früher auch als Ausdruck von Bauchschmerzen gedeutet und als Dreimonatskolik bezeichnet. Ein Indiz für eine allergische Reaktion auf Eiweiß könnte vorliegen, wenn Durchfall und Blutarmut hinzukommen. Bauchkrämpfe aufgrund einer Unverträglichkeit von Eiweiß aus Kuhmilch oder Soja liegt jedoch nur bei fünf bis zehn Prozent vor. Hingegen ist jedes fünfte Neugeborene ein Schreikind.

Zum Schreien: Selbstregulation

Versucht man sich mal in den Säugling hineinzuversetzen, kann man sein Problem schon nachvollziehen: Aus der warmen, wohlbehüteten Umgebung im Mutterleib plötzlich hinausgeschubst in eine Welt voller Temperaturwechsel, Lichtveränderungen und Berührungsreize. In der Regel lernen die Neuankömmlinge die Verarbeitung dieser Eindrücke relativ schnell, sind in der  Lage sich selbst zu beruhigen und finden einen gesundes Rhythmus zwischen Wach sein und Schlafen. Schreikindern fehlt diese Fähigkeit zur Selbstregulation, sie sind von den kleinsten Reizen überfordert und äußern Ihren Unmut durch Brüllen.

Die genaue Ursache warum 20 bis 25 Prozent aller Babys diese besondere Unruhe in die Wiege gelegt wurde, ist unklar. Es wird aber ein Zusammenhang mit der Schwangerschaft vermutet. Mütter, die während der neun Monate unter starker seelischer Belastung und Stress standen, sind besonders gefährdet. Ängste aufgrund einer vorherigen Fehlgeburt, Depressionen, beruflicher Druck, Umzug oder Trennung können sich in Form von Stresshormonen auf das Kind übertragen.
Auch Mütter, die während der Schwangerschaft rauchen, haben ein 1,7-fach höheres Risiko, ein Schreibaby zu bekommen.
Geburtsvorgang und -erlebnis kann ein weiterer Auslöser des exzessiven Schreiens sein. Eine besonders schwere oder schnelle Geburt, ein Kaiserschnitt oder sonstige Abweichungen können nicht nur Stress bei Mutter und Kind auslösen – auch werden manchmal Blockaden beim Säugling ausgelöst. Osteopathen diagnostizieren in diesem Fall eine Fehlstellung der Halswirbelsäule, das sogenannte Kiss-Syndrom. In den meisten Fällen ist die Mutter also nicht Schuld an dem Zustand des überreizten Neugeborenen und sollte sich keine Vorwürfe machen. 

Schlummerhilfe für das Schreibaby

In jedem Fall ist es wichtig, das Baby nicht einfach schreien zu lassen. Es kann schließlich nichts dafür und leidet unter schrecklicher Panik. Tatsächlich kann sich das Kind womöglich nicht altersgerecht entwickeln, wenn das Schreien nicht behoben wird. Gegenüber Nicht-Schreikindern besteht ein doppelt so hohes Risiko für spätere Verhaltensprobleme wie zum Beispiel ADHS. Es hat sich auch herausgestellt, dass bei frühzeitiger Behandlung der frühkindlichen Regulationsstörung, kaum oder gar keine Langzeitfolgen zu erwarten sind.

Der Säugling sollte nicht zu vielen Reizen ausgesetzt werden und einen ruhigen und regelmäßigen Tagesablauf haben. Dazu gehören feste Tageszeiten zum Füttern, Spielen, Spazieren und Schlafen. Die größten Probleme haben Schreibabys mit den Schlafzeiten. Es kann helfen, das Kind rechtzeitig alle anderthalb Stunden auf den Schlaf vorzubereiten: Legen Sie es rechtzeitig in die Wiege und begleiten den Einschlafprozess immer mit dem gleichen Schlaflied. Manchmal sind auch monotone Geräusche das Geheimrezept. Die kostenlose App NONOMO Dream Tree bietet die Wahl zwischen vier Dauergeräuschen: Dunstabzugshaube, Waschmaschine, Fön und Staubsauger.

Hebammen empfehlen eine Federwiege oder das sogenannte "Pucken". Bei der Federwiege werden durch gleichmäßige Schwingungen, welche den Mutterleib nachahmen, Verkrampfungen gelöst, die beim Dauerbrüllen nicht ausbleiben. Vielen Babys fehlt nach der Geburt auch das Gefühl der Begrenzung. In eine Puckdecke oder einen Pucksack eingewickelt, erinnert das die Babys an die Zeit in Mamas Bauch. Der Moro-Reflex, welcher die Kinder schreckhaft aufwachen lässt, kann durch das Pucken vermieden werden.

Wenn die Eltern gesund sind, freut sich das Kind

Auch nach der Geburt besteht eine besonders enge Verbindung zwischen Eltern und Kind. Demnach spürt auch das Schreibaby den Stress seiner Familie, was die Unruhe des Kindes noch verstärkt. Ein Teufelskreis. Wichtig für Sie als Eltern ist es, sich auch Ruhephasen zu gönnen. Bitten Sie Angehörige und Freunde, sie abzulösen und gehen Sie an die frische Luft oder gönnen sich ein Nickerchen. Hauptsache, Sie bekommen den Kopf frei. Gefährlich wird das Dauerbrüllen nämlich, wenn die Verzweiflung der Eltern in Aggression umschlägt. Jedes Jahr sterben schätzungsweise 100 bis 200 Babys an den Folgen eines Schütteltraumas. Ehe es dazu kommen kann, sollten Eltern Hilfe in sogenannten Schreiambulanzen suchen.

Ein Segen: Schreiambulanz

In Deutschland gibt es seit Anfang der 90er Jahre diese speziellen Ambulanzen für Eltern von Schreikindern. Aber auch Familientageskliniken können erste Anlaufstelle sein.
Dort werden einerseits die Anpassungsstörungen des Säuglings behandelt. Das betrifft Ein- und Durchschlafprobleme, Fütterungsstörungen, motorische Unruhe, übermäßiges Klammern und Bindungsstörungen zwischen Kind und Bezugsperson. Die Eltern-Kind-Beziehung steht im Zentrum des Interesses. Die Mitarbeiter der Schreiambulanz helfen, die Signale des Kindes besser zu verstehen, so verstehen Eltern besser, wenn es müde oder gereizt ist und meistern den Alltag besser.

Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch die psychische Situation der Eltern. Da oft versucht wird, die Situation allein in den Griff zu bekommen, sind die meisten Eltern schon am Ende ihrer Kräfte, wenn Sie eine Schreiambulanz aufsuchen. Dabei ist es das Wichtigste, dass es den Eltern gut geht, um den Kindern genug Rückhalt bieten zu können. Auch hierfür bietet die Ambulanz Beratung und individuelle Hilfe. Spezielle Übungen und Massagen unterstützen das Zusammenfinden von Eltern und Kind. Vielen fällt eine positive Bindung aufgrund des ständigen Schreiens zunächst sehr schwer. Wichtig ist es, auch die schönen Momente mit dem Kind zu realisieren, um die schwierigen Zeiten besser zu überstehen. Wunder sollte auf jeden Fall niemand erwarten. Die Arbeit in der Schreiambulanz erfordert Zeit und aktive Mitarbeit. Eine Liste der Schreiambulanzen in Ihrer Nähe finden Sie hier. In einigen Städten sind auch Hausbesuche möglich.

Noch mehr Ursachen für Schreihälse

Nicht in jedem Fall müssen Regulations-Störungen oder eine Milcheiweißunverträglichkeit der Grund für ständiges Schreien sein. Im letzteren Fall gilt es unbedingt darauf zu achten, auch als Mutter während des Stillens keine Kuhmilch zu konsumieren. Es ist auch möglich, dass Sodbrennen, genannt Säure-Reflux, das Baby belastet. Dann erbricht es häufig auch im Liegen. Andere Kinder werden von Mittelohrentzündung oder Blasenentzündung gepeinigt. Sehr selten kommt es auch vor, dass sich das Kind unbemerkt von den Eltern einen Knochenbruch zugezogen hat. 

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