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Krankheit unserer Generation: Nomophobie



Krankheit unserer Generation: Nomophobie
Die "Kein-Telefon-Angst"

Nomophobia ist ein im Jahr 2008 geprägter, englischer Begriff: No-Mobile-Phone-Phobia oder die Angst, über kein Telefon zu verfügen bzw. nicht über das Handy erreichbar zu sein. Schütteln Sie jetzt besser nicht den Kopf und denken sich: „Was es nicht alles geben soll!“
2012 waren in Großbritannien mehr als 66 Prozent von der modernsten Phobie unseres Zeitalters betroffen. Da es in Deutschland nicht weniger Smartphones gibt als auf den Inseln, dürfte unsere Situation wohl ähnlich sein.

Die Gefahr, an Nomophobie zu erkranken liegt auf der Hand: Fast 90 Prozent aller über 14-jährigen besitzen ein Handy. Doch die größte Gefahr tat sich auf, als Apple 2007 mit dem ersten erfolgreichen Smartphone aufwartete. Die vielfältigen Vorteile und Funktionen eines Smartphone sind hinreichend bekannt. Mittlerweile ersetzen diese Telefone teilweise das klassische Buch, Zeitung, TV, Laptop und Mp3-Player. Manche Menschen organisieren mittels Smartphone ihr gesamtes berufliches und privates Leben. Praktisch aber leider auch nicht ganz ungefährlich.

Keine überraschenden Zahlen: 2009 besaßen bereits 6,31 Millionen Deutsche ein Smartphone. Bei einer ungefähren Gesamteinwohnerzahl sind das 7,8 Prozent. Nur fünf Jahre später sind es bereits 40,4 Prozent und damit die Hälfte aller Deutschen. Wenn man davon ausgeht, dass allein der Anteil der Bevölkerung, der vermutlich ohne Smartphone lebt – nämlich Kinder und Senioren – bereits 34 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, dann dürfte klar sein, dass somit fast jeder dritte, wenn nicht sogar zweite, ein Smartphone besitzt. Damit ist auch in Deutschland die Gefahr, an einer Nomophobie zu erkranken ziemlich hoch.

41 % schalten ihr Telefon nie aus

Eins sollte natürlich klar sein: es reicht nicht allein aus ein Handy oder Smartphone zu besitzen, um Nomophobiker zu werden. Dem Menschen muss eine bestimmte Grundeinstellung und psychischer Zustand zu Eigen sein.
Betroffene leben in einer ständigen Angst, etwas Wichtiges zu verpassen. Beinahe im Minutentakt werden abwechselnd oder gleichzeitig Mail-Konten geprüft und Social-Networks auf neue Benachrichtigungen überprüft. Es muss immer Blickkontakt zum Telefon gehalten werden, um auch ja keine Message zu verpassen oder einen Anruf zu spät zu bemerken. Es überrascht nicht, dass die Hauptbetroffenen zwischen 18 und 24 Jahren alt sind. Aber auch unter den 25- bis 34-jährigen sind es noch satte 68 Prozent. Frauen scheinen davon am häufigsten betroffen zu sein.

Es ist wichtig, die Nomophobie nicht mit einem Workaholic zu verwechseln, obwohl der Grad sicher oft fließend ist. Nomophobiker haben vor allem Angst, innerhalb ihres sozialen Lebens ins Abseits zu geraten. Das Smartphone bietet Ihnen nahezu immer die Gelegenheit, mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben – selbst auf der Toilette oder im Bett. Natürlich geschieht das alles auf eine eher oberflächliche Art. Eine WhatsApp-Nachricht kann nie ein Telefongespräch ersetzen und dieses wiederrum nie ein Treffen von Angesicht zu Angesicht. Nomophobiker haben oft massig viele Freunde auf Facebook und Co., sind jedoch in Wirklichkeit eher einsam. Mittels ihrer vielen Kontakte und der Möglichkeit alles live mitzubekommen, fühlen sich die Betroffenen wertvollerer und weniger allein. Es ist wie mit einer Droge, nur dass die Abhängigkeit psychisch ist.
Ähnlich wie bei der schon früher aufgetretenen Internetsucht, verstärkt das Suchtverhalten letztlich jedoch nur die echten Probleme. Haben Sie sich schon mal mit einer handysüchtigen Person verabredet? Egal ob im Kino oder Restaurant: das Handy ist immer dabei. Gespräche sind fast unmöglich, ständig wird auf dem Telefon rumgetippt und der Blick landet nur selten im Gesicht des Gegenübers. Auch wenn die Nomophobiker oft nichts dagegen ausrichten können, ist dieses Verhalten unhöflich und kränkend. So werden natürlich keine sozialen Kontakte aufgebaut oder vertieft. Eher im Gegenteil: je mehr sich das virtuelle Netz vergrößert, desto kleiner wird der Kreis, der Menschen um einen herum.

Die größte Angst: Kommunikationsverlust

Handysüchtige können es nicht lassen!Nomophobiker haben Angst vor Einsamkeit und innerer Leere. Oft steht das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Selbstbestätigung in diesem Zusammenhang.
Ohne ihr Smartphone fühlen sich die Betroffenen sehr unwohl. Sie haben das Gefühl, die Anforderungen des Alltags, nicht ohne ihren „Assistenten“ meistern zu können und leiden unter ständiger Verlustangst.
Bei fehlender Internetverbindung, schwindender Akkulaufzeit oder gar Verlust des Smartphones reagieren die Betroffenen mit großem Stress und Beklemmung. Nervosität und miese Laune können sich bis zur Depressivität steigern. Problematisch wird es, wenn der Körper mit Schweißausbrüchen, Herzklopfen und Zittern reagiert. Es ist nicht selten, dass Nomophobiker diesem Ernstfall vorbeugen, indem sie stets ein Ladekabel oder gar ein Ersatztelefon dabei haben. In Großbritannien haben über 41 Prozent ein zweites Telefon.

Nicht nur, dass Nomophobiker genau das verstärken, wovor sie eigentlich solche Angst haben: Ohne Telefon sein = ohne soziale Kontakte = Einsamkeit. Auch kann das Arbeitsleben darunter leiden. So etwa, wenn die Betroffenen unkonzentriert, unmotiviert, reizbar oder aggressiv sind. Nicht selten taucht Nomophobie im Zusammenhang mit anderen Süchten, z. B. Glücksspiel- oder Kaufsucht auf und kann auf gleichem Wege therapiert werden. Auch in Deutschlands Praxen ist Nomophobie keine unbekannte Größe mehr und wird ähnlich wie Internetsucht behandelt.

Überwindung der Phobie

Bei Phobien werden die Menschen mittels Konfrontationstherapie der gefürchteten Situation ausgesetzt und sollen so lernen, dass ihnen nichts geschieht. In diesem Fall bedeutet das: Handyentzug! Nun muss die Sucht überwunden werden: Schritt für Schritt wird nun gelernt, typische Situationen auch ohne Smartphone zu meistern. Ersatzhandlungen, wie Hobbies oder Sport kommen zum Einsatz. In Deutschland gibt es bereits zahlreiche Kliniken, die spezialisiert sind auf Computer- und Internetsucht aber auch unabhängige Therapeuten behandeln Nomophobie bereits regelmäßig.

Es sollte jedoch nicht vergessen werden, dass die Ursachen für die Krankheit nicht in der bloßen Existenz des Smartphones liegen. Einsamkeit, Unsicherheit, mangelndes Selbstwertgefühl und Co. Das alles sind Persönlichkeitsprobleme, die meist auf die Kindheit zurückgehen und bei Nicht-Behandlung unweigerlich zum Rückfall oder zur nächsten Abhängigkeit führen werden. Zur Therapie wird demnach nicht nur Entzug und Ersatz gehören – auch eine intensive Beschäftigung mit dem eigenen Selbst führt letztlich zum Erfolg.

No-Nomophobie!

Falls Sie befürchten, unter Nomophobie zu leiden, können Sie das ganz leicht selbst überprüfen. Schalten Sie das Smartphone doch mal für einen ganzen Tag aus oder lassen es auf dem Weg zur Arbeit in der Wohnung liegen.

Ein paar kleine Veränderungen im Alltag können jedem helfen, bewusster mit dem Smartphone umzugehen und verhindern womöglich eine Abhängigkeit: Das Telefon auf lautlos stellen und nicht sichtbar in der Tasche verstauen. So wird das Risiko minimiert, ständig nachzusehen. Bei Verabredungen oder Veranstaltungen sollte das Telefon generell ausgeschaltet sein bzw. nicht zur Hand genommen werden. Auch wenn es oft aus Faulheit geschieht: schalten Sie das Gerät über Nacht aus oder nehmen es gar nicht mit ins Schlafzimmer. Sie werden deutlich entspannter sein, da Sie nicht auf Abruf bereit stehen. 

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