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Leben mit HIV heute



Leben mit HIV in Berlin.
Leben mit HIV in Berlin.

Laut dem Robert Koch-Institut lebten Ende 2012 etwa 15.000 Menschen mit HIV in Berlin. Davon befinden sich etwa 11.000 in antiretroviraler Therapie. Ist es wirklich so, dass das Thema HIV in Vergessenheit geraten ist? Und wie können Neuinfektionen noch wirksamer verhindert werden? Welche möglichen Erfolge bringt eine Therapie? Ein Besuch beim Gesundheitsamt soll Aufklärung bringen.

Im Zentrum für sexuelle Gesundheit und Familienplanung des Berliner Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf herrscht Donnerstagvormittag eine entspannte Ruhe. Kein Wunder – die Sprechstunde beginnt an diesem Tag erst nachmittags. Etwa 2700 Beratungsgespräche werden hier jährlich zum Thema HIV durchgeführt. Beratungen zu anderen sexuell übertragbare Krankheiten erhöhen die Zahl um zusätzlich 2100 Termine. „Die meisten Menschen entscheiden sich nach dem gemeinsamen Gespräch für einen HIV-Antikörper-Test“, erklärt Gerhard Peters. Der Sozialarbeiter und Sexualpädagoge arbeitet seit 2008 im Wilmersdorfer Zentrum. Mit einer Berufserfahrung von 21 Jahren ist Peters ein kompetenter Ansprechpartner für das Thema HIV.

TB GUIDE: Herr Peters, gibt es eine allgemeine Aussage, die man zum Zeitpunkt des Testbedarfs treffen kann, beziehungsweise zur Alters- oder Geschlechtsstruktur?
Tatsächlich kommen viele vor- oder nach dem Urlaub zu uns. Aber auch kurz vor Weihnachten, um den Welt-Aids-Tag rum. Generell lässt eine hohe Medienpräsenz des Themas, den Bedarf wieder etwas ansteigen. So zum Beispiel wenn HIV-positive Promis fokussiert werden. Die Zahl der Männer und Frauen hält sich dabei ungefähr die Waage. Die Jüngsten sind dabei um die 16 Jahre alt – der älteste bekannte Testling war 82.

Würden Sie sagen, dass die Thematisierung in den letzten Jahren zurückgegangen ist und wenn ja, wie sollte das geändert werden?
In der breiten Öffentlichkeit ist das Thema leider etwas zurückgegangen. Das liegt vor allem daran, dass damals als HIV in den 80ern aufkam, die Betroffenen ziemlich zeitnah ein schreckliches Ende fanden. Durch die gute medikamentöse Therapiemöglichkeit ist die Lebenserwartung heute deutlich gestiegen und nur noch marginal geringer als bei Menschen ohne HIV. Jedoch sind die Mitmenschen noch immer sehr gehemmt gegenüber HIV-Positiven. Das ist auch eine wichtige Frage: Wie gehe ich mit dem Betroffenen um? Im Idealfall natürlich wie mit jedem anderen auch. Dieses Thema sollte deutlich mehr im Mittelpunkt stehen, gerade bei Angehörigen. Für die Erkrankten ist ein verkrampfter Umgang eine zusätzliche Belastung.

Das bedeutet, es können nicht nur Menschen mit Verdacht auf HIV oder Erkrankte zu Ihnen kommen, sondern auch die Angehörigen können sich beraten lassen?
Ja, auf jeden Fall. Generell ist es leider auch so, dass viele Ärzte mit dem Thema HIV nichts zu tun haben wollen und nur unzureichend informiert sind. Das ist auch nicht verwunderlich, da HIV ein sehr komplexes Thema ist. In Berlin gibt es glücklicherweise viele Schwerpunktpraxen mit guter medizinischer Versorgung. Aus diesem Grund ziehen auch viele Betroffene in die Hauptstadt. Sicherlich ist hier auch die Toleranz für dieses Thema höher als auf dem Land. Etwa 1/5 aller Infizierten in Deutschland leben in Berlin.

Wie genau läuft so ein HIV-Test eigentlich ab?
Es erfolgt zunächst ein ausführliches Vorgespräch, dann meist eine Blutentnahme. Das Ergebnis liegt spätestens eine Woche später vor und wird unter vier Augen mitgeteilt. Bei uns wird jedoch kein Test ohne Beratung durchgeführt. Leider gibt es auch hier andere Vorgehensweisen, bei denen den Betroffenen das Ergebnis ohne jegliches Gespräch in einem anonymen Brief oder per Anruf mitgeteilt wird. Auch das liegt an der Unsicherheit der Beteiligten gegenüber dem Thema HIV liegen. Dabei ist ein positiver Befund etwas was definitiv nur in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt werden sollte. Jeder reagiert anders auf das Ergebnis. Einige sind geschockt und verzweifelt – andere haben damit gerechnet und nehmen es eher gelassen hin. Die Betroffenen werden von uns dazu angehalten, einen zweiten Test machen zu lassen, um eventuelle Verwechslungen ausschließen zu können. Anschließend bekommt man von uns eine Liste mit Schwerpunktpraxen. Jeder hat unterschiedliche Ansprüche an seinen Arzt. Manche wollen eher reden und benötigen viel Empathie von ihrem Gegenüber – andere legen Wert auf modernste Technologien. Das muss dann jeder für sich nach Gefühl entscheiden.“

Wie geht das Leben für HIV-Positive nach dem Befund weiter? Haben sie eine Verpflichtung, es ihrer Umwelt mitzuteilen?
Nein, es besteht keine Mitteilungspflicht. Jedoch ist es natürlich sinnvoll, es den behandelnden Ärzten mitzuteilen – gerade in Bezug auf Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Insbesondere seinem Partner oder sonstigen sexuellen Kontakten gegenüber besteht jedoch eine moralische Verantwortung. Ein Verschweigen wäre nicht fair, selbst wenn der Betroffene besonders vorsichtig ist. Natürlich ist es zunächst so, dass die Betroffenen plötzlich in eine schizophrene Situation katapultiert werden. Obwohl sich rein äußerlich an Ihrem Leben nichts geändert hat – also keine neue Berufssituation oder andere Menschen um sie herum – hat sich dennoch für die Patienten alles geändert. Damit müssen sie erst umgehen lernen.

Welche Erfolge können über eine gesteigerte Lebenserwartung hinaus mit einer Therapie erzielt werden?
Dank der fortgeschrittenen Therapiemöglichkeiten, beziehungsweise einer erfolgreichen antiretroviralen Therapie, ist es den Betroffenen möglich, nach ein paar Jahren ein fast gewöhnliches Leben zu führen. Das bedeutet, wenn die Viruslast für mindestens sechs Monate unter einem bestimmten Wert liegt, ist der Patient nicht mehr infektiös. In 1 ml. Blut müssen weniger als 50 Viruskopien gefunden werden – erst dann kann der Patient niemanden mehr anstecken. Somit ist nicht nur Sex ohne Kondom praktizierbar, auch Schwangerschaften sind nahezu bedenkenlos möglich, ohne das Kind zu infizieren. Die Krankenkassen übernehmen zwar die Kosten für die kostenintensive Behandlung, aber aufgrund der manchmal schwierigen Nebenwirkungen lehnen einige Patienten die Behandlung ab. Auch die streng einzuhaltenden Kontrollen empfinden manche als Einschränkung. Wie gesagt, es gibt auch keine Garantie für das 100%ige Funktionieren der Therapie.

Laut dem Robert Koch-Institut gab es im Jahr 2012 etwa 450 Neuinfektionen in Berlin. Wie beurteilen Sie die Entwicklung bis jetzt, beziehungsweise die Zukunftsaussichten?
Die Neuinfektionen sind im Grunde konstant. Im vergangenen Jahr war die Zahl etwas höher, jedoch kann man sagen, dass sie schon seit vielen Jahren ungefähr gleichbleibend ist. Eine signifikante Steigerung gab es eigentlich nur um die Jahrtausendwende.

Besser wäre natürlich eine Absinken der Neuinfektionen. Wie könnte das ihrer Meinung nach realisiert werden? Fängt die Aufklärung schon in der Kindheit an?
Natürlich bieten wir neben unseren Sprechstunden auch Präventionsarbeit für Schulklassen an. Gerade weil es leider noch immer so ist, dass in vielen Familien kaum oder gar nicht über das Thema gesprochen wird. Im letzten Jahr hatten wir 27 Klassen zu besuch. Die meisten Schüler zeigen sich auch sehr interessiert an dem Thema. Ein viel größeres Problem ist die allgemeine Kondomabneigung in unserer Gesellschaft. Entgegen aller Vorurteile sind es auch vermehrt Frauen, die es aus Intensitätsgründen ablehnen, ein Kondom zu verwenden. Leider „vergessen“ viele Menschen auch bei One-Night-Stands mit fremden Geschlechtspartnern den nötigen Schutz. Die Kondombenutzung sollte mehr gepusht werden. Nur das Kondom schafft eben die sexuelle Freiheit und Unabhängigkeit, ohne größere gesundheitliche Risiken, nach der sich viele Menschen sehnen.

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