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Ohne Hebamme bekomme ich kein Kind mehr!



Es gibt zu wenige Hebammen in Deutschland
Keine Hebamme, keine Kinder? (Foto: clipdealer)

Hebamme: Ein Beruf der viel Bewunderung und Respekt mit sich bringt. Doch im aktuellen Diskurs ist er auch einer, der die meisten Debatten auslöst. Die extreme Erhöhung der Haftpflichtversicherung bedroht nicht nur die Existenz der meisten Hebammen und Entbindungshelfer – das ganze Berufsfeld ist nun vom Aussterben bedroht. Wie ist die Situation wirklich? Ist Kinderbekommen ohne Hebamme überhaupt denkbar? Wir haben beim Berliner Hebammen Verband nachgefragt:

Susanna Rinne-Wolf ist Vorsitzende des Berliner Hebammen Verbands. Der Verein zählt rund 900 beruflich aktive oder –nichtaktive Mitglieder. Nach 10 Jahren Berufserfahrung als sogenannte Beleghebamme war für Rinne-Wolf 2010 Schluss mit den Entbindungen. Die Haftpflichtprämie für freiberufliche Hebammen zwang Sie, ihren Job aufzugeben. Und dieser Beruf ist ganz und gar kein Zufälliger oder Alltäglicher. Für diesen Beruf entscheidet man sich zielgerichtet und mit Herzblut. Die Augen der jungen Hebamme funkeln als Sie erzählt: „Ab Juli gilt der neue jährliche Beitragssatz von rund 5.100 Euro. Deshalb werde ich in Zukunft nur noch Vor- und Nachsorge anbieten.“ Bei jeder Entbindung besteht das Risiko, dass aus Fehlern oder Falscheinschätzungen der Hebamme, eine Behinderung oder Tod des Neugeborenen resultieren. Deshalb ist die Berufshaftpflicht ohne Geburtshilfe bei weitem geringer.

Hebammenmangel

16.000 selbständige Hebammen gibt es in Deutschland, davon allein 700 in der Hauptstadt. Die wenigen, die festangestellt sind, arbeiten meist zusätzlich freiberuflich, um Ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Zu tun gibt es genug: 130 Geburten kommen pro Jahr auf jede Berliner Kollegin. Rund 34.000 Babys sind es insgesamt. In den großen Kliniken sind es meist um die 3.000 Geburten jährlich. Das Sankt Joseph Krankenhaus in Berlin belegte 2012 mit 3557 Geburten Rang eins von insgesamt 675 Kliniken in der Bundesrepublik. Zudem hat Berlin die höchste außerklinische Geburtenrate im Land.

„Die Situation in den ländlichen Gebieten ist noch dramatischer“, so Rinne-Wolf. Es gibt zu wenige Hebammen, teilweise seien ganze Landkreise ohne Betreuung. Die Nichtvermittlungsquote liegt in den Berliner Randgebieten bei 90 Prozent. Dennoch haben die Frauen auf dem Land oft noch den Vorteil der Familienanwesenheit. Gerade die Versorgung vor und nach der Schwangerschaft ist ein Bereich, der in der Großstadt einerseits vom Gynäkologen und andererseits von der Hebamme übernommen wird. Auf dem Land gibt es meist noch die Mutti, Oma, Freundin oder enge Nachbarin, die beratend und helfend zur Seite stehen. In Berlin ist der Anteil der Zugezogenen hingegen sehr hoch. Die Frauen stehen oft fast ganz alleine da, es gibt kaum jemanden, der Ihnen nahe steht und seine Erfahrungen mit ihnen teilt oder ihnen Unterstützung bieten kann. „Dafür sind wir da. Wir ersetzten teilweise die Rolle der Familie“, erklärt Rinne-Wolf.

Wenn der Storch nicht mehr fliegt

Jede Frau hat während Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit Anspruch auf Hebammenhilfe. In Berlin werden 70 Prozent der Hebammenbetreuung in Anspruch genommen. Zur Geburt sind es 100 Prozent, da dies per Gesetz geregelt ist. Während der Schwangerschaft nehmen die Frauen tendenziell am wenigsten Hebammenhilfe in Anspruch. Zum Teil liege das an den Einstellungen in der Gesellschaft selbst – teilweise aber auch an den mangelnden Hinweisen einiger Frauenärzte, meint die junge Hebamme. Dabei ist eine offene und ausführliche Beratung für viele Frauen auch während und nach der Schwangerschaft sehr wichtig. Oftmals zögern gerade unerfahrene Frauen, wegen jeder „Kleinigkeit“ ihren Arzt zu konsultieren. Im Wochenbett und während der Stillzeit kommen neue Probleme und Unsicherheiten auf die Mütter zu, deren Hinterfragung meist großes Vertrauen erfordert. Für viele Frauen ist es sehr wichtig zu wissen, dass Ihnen jemand Tag und Nacht zur Seite steht.

Susanna Rinne-Wolf berichtet von einem Vortrag und dem Ausspruch einer Mutter: „Ohne Hebamme bekomme ich kein Kind mehr!“ Er verdeutlicht den Ernst der Lage nur zu sehr. Gerade Frauen in der Großstadt und ohne familiären Rückhalt wären ihrer Unsicherheit quasi ausgeliefert. Wenn nun allein in Berlin zahlreiche der eh schon zu wenigen Hebammen ihren Beruf an den Nagel hängen, bedeutet dies, dass sich auch weniger Frauen für Kinder entscheiden? Laut statistischem Bundesamt droht laut den aktuellen Entwicklungen spätestens nach 2020 ein wahrer Einbruch der Geburtenrate in Deutschland.
Zu den Hauptgründen der Kinderlosigkeit zählt nach wie vor die Karriere. Wenn nun auch noch ein Ausbleiben der umfassenden Betreuung durch eine Hebamme hinzukommt, könnte das die sinkende Geburtenrate zusätzlich beeinflussen.

Aussteigerberuf Hebamme?

Die Vorsitzende des Berliner Hebammen Verbandes berichtet von einigen Kolleginnen, die bereits ausgestiegen sind und nun in völlig anderen Bereichen tätig seien. „Sicherlich hätten sie sich nun auch in anderen Berufen des Gesundheitswesens ausbilden lassen können, aber das war ja nie ihr Ziel. Hebamme wollten sie sein.“ Wenn man bedenkt, wie viel Zeit seines Lebens man mit Arbeiten verbringt, ist es wohl auch verständlich, dass man diesen Job gerne machen möchte oder gar lieben sollte. Leidenschaft für den Beruf ist definitiv ein wichtiger Bestandteil des Daseins als Hebamme. Um hohe Verdienstmöglichkeiten geht es bei rund 7,50 Euro Stundenlohn nicht vorrangig. Der scheinbar freiwillige Rückzug aus dem Beruf ist Resignation. Die Arbeit als Hebamme wird zum Luxus.

Auf den Berufswunsch als Hebamme haben die aktuellen Entwicklungen scheinbar noch keinen allzu großen Einfluss: Rund 58 Hebammenschulen gibt es in Deutschland, davon drei in Berlin. In der Hauptstadt gibt es für die dreijährige Ausbildung deutlich mehr Bewerberinnen als freie Plätze. Generell seien die Bewerberzahlen aber schon seit langer Zeit leicht rückläufig. Es wird sich zeigen, wie sich die aktuelle Lage zukünftig auf den Wunsch nach einem der schönsten Berufe der Welt auswirken wird. Susanna Rinne-Wolf sieht einen großen Hoffnungsschimmer in den akademischen Ausbildungsmöglichkeiten. Seit 2008 gibt es Bachelor- und Masterstudiengänge in Deutschland, in Berlin wird seit 2013 der Bachelorstudiengang Sciene of Midwifery an der Evangelischen Hochschule angeboten. Da es sich um einen dualen Studiengang handelt, der auch die  Ausbildung als Hebamme beinhaltet, erhält man zwei vollwertige Abschlüsse in vier Jahren. Das könnte ein deutlicher Vorteil auf dem Arbeitsmarkt sein.

Es bleibt zu hoffen, dass sich diese Möglichkeit positiv auf den Berufswusch Hebamme auswirkt und noch viele Frauen von dem wertvollen Diensten einer Hebamme profitieren können.

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