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Pille danach: Noch ein Argument für die Freigabe



"Solche Pillen sind nun mal keine Smarties" findet Jens Spahn - und ignoriert die Empfehlung der WHO.
"Solche Pillen sind nun mal keine Smarties" findet Jens Spahn - und ignoriert die Empfehlung der WHO.

Obwohl sich sogar die Weltgesundheitsorgansiation für eine freie Abgabe der "Pille danach" ausspricht, ist das Medikament in Deutschland nur auf Rezept erhältlich. Unter anderem wegen seiner gewichtsabhängigen Wirkung, doch das Argument wurde nun widerlegt.

Deutschland ist eines der wenigen Länder Europas, in denen die Abgabe der "Pille danach" an ein Rezept gebunden ist. Der Bundesrat hat bereits im letzten Jahr die Freigabe des Medikaments gefordert, doch die Regierung ist nach wie vor dagegen. Bundesgesundheitsminister Gröhe besteht weiterhin auf das Verbot und stellte sich erst kürzlich einem erneuten Versuch entgegen, das Gesetzt zu kippen. Er bekommt Unterstützung vom Berufsverband der Frauenärzte (BVF) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG).

Das verwundert nicht, denn mit dem Erstellen von Rezepten lässt sich viel Geld verdienen. Das Bundesinstitut für Arznzeitmittel und Medizinprodukte gibt an, dass jährlich 400.000 Rezepte mit der Diagnose „Notfallkontrazeption" ausgestellt werden. „Je nach Patientin und in Abhängigkeit der regionalen Honorarverteilungsmaßnahmen werden die Frauenärzte circa 25 bis 29 Euro im Behandlungsfall abrechnen“, ist dazu in der taz zu lesen. Einnahmen, die wegfallen, wenn Frauen ausschließlich in Apotheken über Risiken und Nebenwirkungen der "Pille danach" aufgeklärt werden.

Der Zeit-Faktor bei der Pille danach

Ein wichtiger Punkt im Hinblick auf die Einnahme der "Pille danach" ist die Zeit: mehr als 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr bleiben nicht und je früher das Medikament genommen wird, desto wahrscheinlicher ist seine Wirkung. Im schlimmsten Fall wird sie benötigt, wenn eine Vergewaltigung stattgefunden hat - meist jedoch, wenn etwas bei der Verhütung schief gelaufen ist. Dies kann ein geplatztes Kondom sein oder Sperma ist über die Hände mit der Vagina in Kontakt gekommen. Dinge, die besonders häufig am Wochenende passieren, oft nachts.

Die Praxis der vertrauten Ärztin oder Arztes hat dann nicht geöffnet und Frauen sind gezwungen, die Notaufnahme eines Krankenhauses aufsuchen. Dort müssen sie oft lange warten und manchmal zu Untersuchungen (z.B. ein vaginaler Ultraschall oder ein Schwangerschaftstest) gezwungen, die für das Ausstellen eines Rezeptes für die "Pille danach" gar nicht erforderlich sind. Von katholisch geführten Krankenhäusern werden Frauen auch schon mal weggeschickt. Auf dem Land ist die Infrastruktur zudem schlechter als in der Stadt. 

Das alles ist psychisch belastend - und vor allem geht wertvolle Zeit verloren! Wenn Frauen stattdessen in die Apotheke gehen könnten, um dort nach einer Beratung die Pille danach zu erhalten, würde dies die Situation erheblich verbessern.

Politiker entscheiden über Frauen und die Pille danach

Schon im letzten Jahr teilte der gesundheitspolitische Sprecher Jens Spahn mit, dass die rezeptfreie Abgabe Seitens der Regierung nicht zu befürworten sei, denn schließlich sind "solche Pillen nun mal keine Smarties". Als sich die Regierung später offziell dagegen entschied, wurde auf Twitter der Hashtag #wiesmarties ins Leben gerufen, unter dem auch heute noch getwittert wird, wenn es Neues zum Thema gibt.

 

Frauen wird auf diese Weise abgesprochen, verantwortlich mit dem Medikament umgehen zu können. Stattdessen wird ihnen unterstellt, sie nähmen es so zu sich wie Süßigkeiten und würden deshalb auf eine Verhütung verzichten. Dass Frauen sehr wohl in der Lage sind, verantwortungsvoll mit ihrem Körper umzugehen und sich die Pille danach aus finanzieller Sicht nicht als reguläres Verhütungsmittel eignet, wird dabei völlig außer acht gelassen.

Für die Pille danach ist das Körpergewicht eher unwichtiges

Derzeit sind zwei Wirkstoffe auf dem deutschen Markt: Levonorgestre - und das angeblich besser verträgliche Ulipristal. Nur ersteres fällt jedoch unter die Forderung des Bundesrats und ein Kritikpunkt ist nun, dass Frauen bei Freigabe auf das weniger verträgliche Produkt zurückgreifen müssten. Ein weiteres Argumgent gegen die Freigabe ist die Abhnahme der Wirksamkeit von Levonorgestre ab einem Körpergewicht von 75 Kilogramm. Ab 80 Kilogramm wirke es gar nicht mehr und auch Ulipristal könne aus diesem Grund nur bis zu einem Körpergewicht von 95 Kilogramm genommen werden.

Die Europäische Arzneimittelagentur hat sich nun gegen solche Warnungen in Beipackzetteln von Medikamenten mit Levonorgestre ausgesprochen. Sie hält die Notfallkontrazeption in allen Fällen für wirksam und beruft sich auf Meta-Studien, die die Nachweise für Unwirksamkeit widerlegen.  

Der Präsident der Deutsche Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin (DGGEF) Thomas Rabe und der Präsident des Berufsverband für Frauenärzte (BVG) warnen jedoch weiterhin vor der Wirkungslosigkeit von Levonorgestre bei einem höheren Körpergewicht - und vertreten damit auch ihre eigenen Interessen. Die Ärztezeitung ließ sowohl Thomas Rabe, als auch die Freigabe-Befürworterin Professor Daphne Hahn, Vorsitzende des proFamilia Bundesverbandes, in einem Pro und Contra zu Wort kommen. Politik und Ärztelobby gehen langsam die Argumente aus.

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