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Rettet die Hebammen!



Geballte Faust: der Protest zur Rettung der Hebammen kann nicht früh genug beginnen. (Foto: clipdealer)
Geballte Faust: der Protest zur Rettung der Hebammen kann nicht früh genug beginnen. (Foto: clipdealer)

Im Juli steigen die Beiträge der Haftpflichtversicherung für Hebammen erneut an und im nächsten Jahr bricht diese Versicherungsmöglichkeit für sie ganz weg. Dann sind die Hebammen nicht mehr in der Lage, ihren Beruf auszuüben.

Bereits seit 1. April radeln vier Frauen mit ihren kleinen Kindern unter dem Motto Kein Weg zu weit durch Deutschland. Sie sind in Hameln gestartet und machen Halt in mehreren Städten. Ihr Ziel ist Berlin, wo am 12. April eine große Demonstration für den Erhalt des Hebammen-Berufs stattfindet. Eine der Rad fahrenden Mütter ist Bianca Kasting. Ihre an den Bundesgesundheitsminister gerichtete Online-Petition zur Rettung der Hebammen wurde bereits von mehr als 380.000 Menschen unterzeichnet. Darin wird Minister Hermann Gröhe aufgefordert, das Koalitionsversprechen zu halten und eine Lösung für die Haftpflichtproblematik zu finden.

Immer weniger Hebammen

Anfang der Neunziger Jahre mussten freiberufliche Hebammen eine Jahresprämie von 179 Euro bezahlen, um einschließlich der Geburtshilfe versichert zu sein. Diese Präme hat sich bis 2009 auf über 2.000 Euro verzehnfacht, obwohl die Schadensfälle in der Geburtshilfe laut dem Verein Hebammen für Deutschland sogar leicht rückläufig sind. Die Kosten für jeden dieser Fälle sind jedoch rasant angestiegen. Sie setzen sich zusammen aus Zahlungen für medizinische, pflegerische und soziale Versorgung, die lebenslange Einkommensicherung geschädigter Personen sowie den hohen Beträgen für Anwälte und Prozesse.

Aufgrund des Prämienanstiegs sank der Anteil jener Hebammen, die nicht nur Wochenbettbetreuung, sondern auch Geburtshilfe anboten, bis 2009 bereits auf 23 Prozent. Am 1. Juli dieses Jahres steigt die Versicherungsprämie auf über 5.000 Euro. Es ist vermutlich nur den bereits erfolgten großen Protesten zu verdanken, dass die Krankenkassen diese zusätzlichen Kosten nun offenbar übernehmen. So kann verhindert werden, dass noch mehr Hebammen es sich nicht mehr leisten können, ihrer Haupttätigkeit Geburtshilfe nachzugehen. Wenn sich im nächsten Jahr dann aber eine der Versicherungen ganz aus dem Konsortioum der Hebammenversicherungen zurückzieht, kann keine der freischaffenden Frauen mehr in ihrem Beruf arbeiten, weil sie entsprechend ihrer Berufsordnung verpflichtet sind, sich angemessen zu versichern. 

Den Hebammen nun nahezulegen, sie sollten ihren Beruf festangestellt ausüben und werdenden Müttern zu raten, statt zur freien Hebamme einfach ins Krankenhaus zu gehen, geht nicht auf: Auch angestellte Hebammen benötigen eine eigene Haftpflichtversicherung, weil die Deckungssummen der Klinikversicherungen nicht ausreichen. Hinzu kommt, dass viele Krankenhäuser bereits mit freischaffenden, sogenannten Beleghebammen arbeiten. Diese können die Frauen auf diese Weise vor, während und nach der Geburt durchgehend betreuen. 

Was passiert ohne Hebammen?

 

Um die Hebammen zu unterstützen, teilten unter dem Hashtag #ichbrauchemeinehebamme einige Frauen ihre Erfahrungen. Die Konsequenzen hat Anke Bastrup bereits letztes Jahr in einer erfolgreichen Petition zusammengefasst: Ohne Hebammen gäbe keine 1:1-Betreuungen mehr und Frauen könnten nicht mehr selbst entscheiden, wo sie entbinden. Denn nicht jede Frau fühlt sich in einem hektischen Krankenhaus mit kalter, technischer Atmosphäre gut aufgehoben. Das muss sie aber, um die für Geburt wichtigen Hormone Oxytocin und Endorphin auszuschütten. Sonst produziert ihr Körper das Stresshormon Adrenalin, welches die Geburt negativ beeinflusst. Dann kommt es zu mehr Komplikationen, mehr Notkaiserschnitten und mehr Wochenbettdepressionen.

Weil nicht jede Schwangere in der Nähe eines Krankenhauses wohnt, nehmen unsichere Geburten im Auto oder auf Parkplätzen zu, sobald es keine Hebammen mehr gibt, die sich direkt vor Ort um die Frauen kümmern. Nach der Geburt wären Mütter ohne Hebammen mit ihren vielen Fragen und Sorgen allein, denn diese Betreuung kann nicht von Kinderärzten oder Notaufnahmen geleistet werden.

Versicherungs-Verhandlungen für Hebammen

 
 

Zwar fand Bundesgesundheitsminister Gröhe neulich auf Twitter rührende Worte zum Thema - er setzt jedoch hauptsächlich auf die Verhandlungen zwischen dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) und den Hebammenverbänden. Florian Lanz, Sprecher des GKV ist optimistisch. "Der Verband befindet sich in konstruktiven Gespräche mit den Vertreterinnen der freiberuflichen Hebammen." Er geht davon aus, dass sich die Parteien wieder auf die Übernahme der steigenden Kosten für die Haftpflichtversicherung der freiberuflichen Hebammen verständigen können.

Martina Klenk, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands, kommentierte diese Verhandlungen jedoch nicht positiv: "Es gibt bisher keine Einigung. Das Angebot des GKV-Spitzenverbandes ist für uns nicht akzeptabel. Sollte sich der GKV-Spitzenverband nicht bewegen, werden wir das Angebot nicht annehmen, weil es für einen großen Teil der Kolleginnen keine Lösung darstellt." Anders als behauptet, wird die Präme nicht voll vom Verband ausgeglichen, sondern lediglich die Steigerung der Prämie der vergangenen Jahre, was für viele Hebammen nicht ausreicht.

Der Bundesrat hat einen durch Steuern finanzierten Fonds vorgeschlagen, der einspringt, sobald eine festgelegte Schadenssumme überschritten wird. Theoretisch eine gute Lösung. Sie könnte jedoch dazu führen, dass andere Berufsgruppen - zum Beispiel Ärzte - ebenfalls Anspruch auf solch einen Fonds erheben. Die schnelle Einigung scheint es also nicht zu geben. Vielleicht steigern die Demonstrierenden am kommenden Samstag ja den Druck auf alle Beteiligten. Bis dahin können auch die vier Fahrrad fahrenden Mütter bei ihrer Solidaritäsaktion unterstüzt werden und die aktuelle Bundestagspetition gezeichnet werden, welche die Sicherstellung der flächendeckenden, wohnortnahen Versorgung mit Hebammenhilfe fordert.

Aktuelles zur Lage der Hebammen

Mit den aktuellen Tweets zum Thema #Hebammen ist es möglich, immer auf dem Laufenden zu bleiben:

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