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Schönheit aus der Spritze: Die harten Fakten über Botox



Gift, Medizin, Faltenkiller – der beispiellose Siegeszug von Botox.
Gift, Medizin, Faltenkiller – der beispiellose Siegeszug von Botox.

Krähenfüße hier, Zornesfalten dort. Botox-Hersteller und Schönheitsmediziner müssen angesichts der rasant wachsenden Umsätze vor allem ihre Lachfältchen im Auge behalten. Botox – was ist das eigentlich?

Im Jahr 2011 machte die Engländerin Sharon Evans Schlagzeilen, die ihrer 7-jährigen Tochter regelmäßig Botox spritzte. Der mütterliche Eifer zielte auf die Karriere der Kleinen. Und weil sich für die Eingriffe kein Arzt fand, setzte sie die Spritzen einfach selbst. Vermutlich ist das ein trauriger Ausnahmefall. Doch auch in Deutschland wächst das Bedürfnis, für immer jung und schön zu sein und den Falten mit der Botox-Spritze zu Leibe zu rücken.

Botulinumtoxin – das „Wurstgift“

Es ist ein Nervengift, das man ursprünglich als Verursacher der Lebensmittelvergiftung „Botulismus“ fürchtete, später als Arzneimittel nutzte und heute vor allem als Faltenkiller schätzt. Der Ursprung des Namens liegt im lateinischen Wort „botulus“, deutsch: „Wurst“, da die Vergiftungen vor allem nach dem Genuss von Wurst oder Wurstkonserven auftraten. Hier findet das Bakterium ideale Lebensbedingungen. 

Botulismus – äußerst selten, aber gefährlich

In Deutschland werden jährlich weniger als 10 Fälle von Botulismus gemeldet. Die lebensbedrohliche Vergiftung verursacht eine Blockade der Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln. Aufgrund ihrer Seltenheit wird sie häufig nicht erkannt. Mittlerweile gibt es für die unterschiedlichen Typen des Toxins Gegengifte, durch die sich die Sterblichkeit von früher 90% auf 10 bis 15% reduziert hat.

Vom Gift zum Arzneimittel

Der schwäbische Arzt Justinus Kerner erkannte 1820 den Wirkungsmechanismus des Toxins als Hemmung der Nervenleitung und schlug 1822 vor, das Gift in extrem niedrigen Dosen als Arzneistoff für verschiedene nervöse Störungen einzusetzen. Zum ersten Einsatz kam es jedoch erst im Jahr 1980 zur Behandlung von Strabismus (Schielen). Da mit Botulinumtoxin verschiedenste Formen muskulärer Überaktivität behandelt werden können, wird es heute erfolgreich gegen Schiefhals und Spastiken, aber auch gegen krankhaftes Schwitzen und Blasenprobleme verabreicht.

Vom Arzneimittel zum Faltenkiller

Den Siegeszug als „Faltenkiller“ trat Botox erst in den 90er Jahren an. Die Augenärztin Jean Carruthers behandelte eine Patientin wegen unkontrollierten Augenzuckens und bemerkte, dass nach der Injektion von Botulinumtoxin auch die Falten verschwanden. Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dem Hautarzt Alastair Carruthers, untersuchte sie das Phänomen und konnte den kosmetischen Effekt von Botox mit wissenschaftlichen Studien belegen. Das Nervengift, das Muskeln die Spannung nimmt, wirkt auch in der Gesichtsmuskulatur und lähmt Muskeln, die für die Falten an Stirn, Augenpartie und Mund verantwortlich sind.

Risiken, Nebenwirkungen, Spätfolgen von Botox

Botox-Behandlungen werden gemeinhin als ungefährlich beschrieben, bergen jedoch einige Risiken. Während falsche Dosierungen an den Augen zu Lähmungen und verschwommenem Sehen führen können, kann eine Injektion in den falschen Halsmuskel Schluckbeschwerden verursachen oder die Atemmuskulatur so stark beeinträchtigen, dass der Patient keine Luft mehr bekommt.

Zwar betonen alle Befürworter, dass mit dem Nachlassen der Wirkung in einem Zeitraum von drei Monaten auch alle Nebenwirkungen automatisch verschwinden, doch auch die Botulinum Ambulanz in Stuttgart weist auf Gefahren hin: „Durch Diffusion gelangt Botulinumtoxin auch an Muskeln, an denen eine Wirkung unerwünscht ist, somit kann es zu unerwünschten Lähmungen kommen, je nachdem in welcher Region des Körpers behandelt wird.“ Desweiteren können auch allergische Reaktionen nicht völlig ausgeschlossen werden.

Dr. Matthias Kettner, Professor für praktische Philosophie an der Universität Witten-Herdecke bemerkt in der Arte-Doku "Botox - ein Gift macht Karriere" süffisant, dass alle Botox-Patienten zurzeit an einem freiwilligen Massenexperiment teilnehmen: „Es ist ja gewissermaßen ein Sozialversuch mit hunderttausenden von Teilnehmern.“ Denn ob und welche Spätfolgen mit Botox einhergehen könnten, lässt sich laut Kettner noch nicht abschätzen, da zurzeit keine Langzeitstudien existieren.

„Botox to go“, „Botox-Partys“, „Botox Flatrates“

Auch wenn Schönheitschirurgen mit deutlich geringeren Dosen als Neurologen arbeiten, nimmt der zunehmend leichtfertige Umgang in Form von „Botox-to-go“-Angeboten oder „Botox-Partys“ bedenkliche Ausmaße an. Dr. Charles Gadreau, der an einer Privatuniversität in Paris die nächste Generation Schönheitschirurgen für Botox-Behandlungen ausbildet, sieht selbst bei vielen Medizinern eine fehlende Kompetenz: „Die einzigen, die auf die Anwendung vorbereitet sind, sind Plastische Chirurgen, speziell ausgebildete Gesichtschirurgen oder Augenärzte, die während ihrer Ausbildung alle Gesichtsmuskeln und deren Funktionen kennenlernen.“

Nicht zu unterschätzen ist auch die Suchtgefahr: Da die Wirkung von Botox in der Regel nach spätestens vier Monaten nachlässt, bieten immer mehr Kliniken Patienten mit „Botox-Flatrates“ die Möglichkeit, sich gegen eine monatliche Grundgebühr regelmäßig neu spritzen lassen. Gefördert wird so ein Dauerkonsum, der geradewegs in die Abhängigkeit führen könnte.

Die Schönheit der Unvollkommenheit

Auch die Entdeckerin der kosmetischen Möglichkeiten von Botox, Jean Carruthers, lässt sich selbst regelmäßig mit Botox behandeln, plädiert jedoch für die Schönheit der Unvollkommenheit: „Ich bin für die Unterbehandlung“, wird sie in der Süddeutschen Zeitung zitiert. „Wenn man die Augenbrauen korrigiert, dann lässt man vielleicht die Krähenfüße stehen. Oder man macht die Wangen und dafür die Stirnfalten nicht.“ Dies zielt bereits ein wenig in die Richtung von Matthias Kettner, der durch die Verbreitung von Schönheitsstandards in den Medien die Verschiedenartigkeit der Gesichtszüge schwinden sieht. Dies ist „ein Verlust an ästhetischer Vielfalt.“

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