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Schönheitsoperationen sind total okay. Oder doch nicht? Ein Pro und Contra



Bin ich schön (genug)? Wer sich das noch nie fragte, werfe das erste Skalpell (Illu: Y. Brodskaya)
Bin ich schön (genug)? Wer sich das noch nie fragte, werfe das erste Skalpell (Illu: Y. Brodskaya)

Cher macht’s. Renée Zellweger macht’s. Costa Cordalis auch. Joop dementiert. Wir reden über Schönheitsoperationen und warum man sich für oder gegen sie entscheiden kann.

Hier die Nase. Dort die Lippen. Falten weg. Brüste größer. Oder kleiner. Je nachdem. Sich über Schönheitsoperationen lustig zu machen oder gar über Jugend- und Schönheitswahn zu moralisieren, ist verführerisch. Doch ganz so einfach ist die Sache nun leider doch nicht.

Öffentliche „Vorbilder“ 

Donatella Versace, Jocelyn Wildenstein oder Justin Jedlica, der unzählige Operationen auf sich nahm, um zum Barbie-Gegenstück Ken zu mutieren, lassen einen gruseln. Gegen diese Beispiele muss man den Wandlungsprozess von Michael Jackson schon fast als harmlos bezeichnen.

Nicht ganz so drastisch, aber immerhin noch desillusionierend genug sind diverse Vorher-Nachher-Bilder von Prominenten, die in der Klatschpresse immer wieder gern gezeigt werden und in den allermeisten Fällen nahelegen, dass die Betreffenden das viele Geld besser anders hätten anlegen sollen. Doch die schnellen Urteile greifen zu kurz. Bevor es ins Detail geht, in welchen Fällen zum Beispiel eine Schönheits-OP absolut sinnvoll sein kann, sollen zwei glasklare Positionen dagegen erwähnt werden.

„Glatt gespritzte, ausdruckslose Gesichter“

Dass sich das feministische Magazin EMMA nicht für Schönheitsoperationen begeistern kann, überrascht kaum. Dem „uniformen Schönheitsideal beugen sich neuerdings nicht nur Berufsschönheiten, wie Models oder Schauspielerinnen vor dem Charakterfach, sondern auch Journalistinnen, Managerinnen oder Zahnarzthelferinnen“, kritisierte EMMA 2003 und beklagte, dass „hinter dem Aufbruch der Frauen die Welle des neuen Schönheitswahns schwappt.“

Statt weibliches Selbstbewusstsein auch ohne äußere Perfektion zu leben, begeben sich Frauen mit ihrem Streben nach falscher Schönheit nun scheinbar freiwillig wieder in die Abhängigkeit vom Blick des Anderen. Auch das Ergebnis des „Schönheitsunwesens“ erscheint EMMA fragwürdig: „Diese glatt gespritzten und gezurrten Gesichter und Körper aber sind ausdruckslos. Hinter dem neuen westlichen Schönheitsideal verbirgt sich nichts anderes als eine Art moderner Verschleierung.“

Schönheitsoperationen ohne päpstlichen Segen

Das Nervengift Botox strafft das Gesicht - und macht es schonmal ausdruckslos.

Unterstützung von ganz unerwarteter Seite erhielt das feministische Magazin jüngst aus dem Vatikan, der vermutlich nicht zum engsten EMMA-Leserkreis zählt und sich bislang auch eher selten als engagierter Vertreter von Fraueninteressen profilieren konnte.

Im Februar 2015 sorgte jedoch ein Arbeitspapier für eine Frauenkonferenz des Kirchenstaats mit einer brisanten Aussage für Aufsehen. Während die EMMA Schönheitsoperationen noch sehr dezent mit Verschleierungen verglich, sattelte der Vatikan sprachlich eins drauf und verkündete, dass die Resultate plastischer Chirurgie mitunter einer „Burka aus Fleisch“ gleichkommen.

Puh! Es erscheint am sinnvollsten, alles Dogmatische beiseite zu lassen und das Thema Schönheitsoperationen einmal ganz unaufgeregt zu betrachten.

Was spricht für eine Schönheits-OP?

Trotz aller vehementen Kritik an dem Versuch, der Schönheit chirurgisch nachzuhelfen, lässt sich eins nicht leugnen: Ob Karriere oder Partnersuche – schöne Menschen haben es im Leben leichter. Und im echten Leben geht es ja auch nicht immer um zu groß geratene Lippen oder XXL-Brüste. So kann die plastische Chirurgie durchaus dabei helfen, Nicklichkeiten der Natur wie abstehende Ohren oder unterschiedlich große Brüste zu korrigieren oder die Folgen von schweren Unfällen und  Verbrennungen abzumildern.

Auch wenn der Satz „Wahre Schönheit kommt von innen“ zweifelsohne Gültigkeit hat, können größere ästhetische Abweichungen von der Normalität nicht einfach aus der Welt geredet werden. In diesen Fällen können kritische Blicke der Außenwelt oder Hänseleien in der Schule einen seelischen Schaden verursachen, der sich auch mit einer Psychotherapie kaum beheben lässt. Genau dann können Eingriffe dazu beitragen, seelische Narben zu schließen und die Voraussetzung für ein neues Selbstbewusstsein und ein normales Leben zu schaffen.

Bis hierhin wird es kaum Widersprüche geben. Aber wie steht’s mit scheinbar „unnötigen“ Operationen?

Schönheitsoperationen: Grünes Licht vom Philosophen

Philosoph Philipp Hübl von der Uni Stuttgart findet Schönheitsoperationen nicht verwerflich, solange sie fachkundig durchgeführt werden. Die Grenze zwischen künstlich und natürlich will er nicht ziehen: Bereits das Rasieren, Haare färben, Augenbrauen zupfen oder Besuche im Sonnenstudio seien nicht natürlich.

„Die Menschen versuchen in allen Lebensbereichen, sich zu optimieren. Sie verfolgen ihre Karriere, richten sich schön ein und optimieren ihren Lebenslauf. Warum sollten sie ausgerechnet vor dem äußeren Erscheinungsbild haltmachen?“ fragt Hübl. Der Philosoph sieht die Gesellschaft in einem Wandlungsprozess. Während die erste Zahnklammer vermutlich noch befremdlich gewirkt habe, gilt es heute „fast als fahrlässig, eine kosmetische Begradigung der Zähne im Kindesalter abzulehnen.“

Einwände von Bildungsbürgern und Kulturwissenschaftlern, die in Schönheitsoperationen einen oberflächlichen kapitalistischen Zwang erkennen, lässt er nicht gelten. Nach Hübl ist der Wunsch, schön zu sein, universell. Weil im Kopf eines jeden Menschen ein Schönheitsmodul stecke, das mit universellen Einstellungen für Gesichter und Proportionen versehen ist, habe das heutige „Vogue“-Covergirl die gleichen klassischen Maße wie Nofretete.

Noch ein Beispiel: „ Wir üben beispielsweise Klavier, statt uns zu sagen, es sei naturgegeben, dass wir das Instrument nicht spielen können.“ So steht für Hübl der Aspekt der Autonomie im Vordergrund: „Handlungsfreiheit heißt auch, über die Form seines eigenen Körpers entscheiden zu dürfen.“

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