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Wenn uns die Psyche in den Rücken fällt



Rückenschmerzen als Preis für die Zivilisation? Es lohnt der Blick aufs große Ganze.
Rückenschmerzen als Preis für die Zivilisation? Es lohnt der Blick aufs große Ganze.

Die Ur-Ursache aller Rückenprobleme liegt knapp 2 Millionen Jahre zurück: Der „Homo erectus“ richtete sich auf und erhob sich als Mensch über den Rest der Natur. Ein Triumph mit oftmals schmerzhaften Konsequenzen.

Der aufrechte Gang brachte einerseits Kultur und Zivilisation – lastet andererseits aber auch einigen mächtig auf den Schultern. Rein körperlich gesehen ist es die Wirbelsäule, die dem Menschen die aufrechte Haltung ermöglicht. Das filigrane Zusammenspiel aus festen Wirbelkörpern, weichen Bandscheiben, Sehnen und kräftigen Muskeln ist die Voraussetzung für Halt und Beweglichkeit. Das Konzept der Natur war genial. Doch warum tut uns bloß so häufig der Rücken weh?

Mensch-Sein ist eine Frage der Balance

Der evolutionäre Prozess der Menschwerdung, der sich bis heute an jedem Kind in den Monaten nach der Geburt nachvollziehen lässt, endet bekanntermaßen nicht beim Laufen auf zwei Beinen (Ausnahmen mag es geben). Vielmehr gelangte der Mensch zudem in das Spannungsfeld von Körper, Geist und Seele. Und dies erfordert – wie das aufrechte Gehen – ebenfalls ein gehöriges Maß an Balance. Aber wer ist schon wirklich ausgeglichen?

Im aufrechten Mensch-Sein liegt jedoch die Herausforderung, das Gleichgewicht zu halten – eben nicht nur im rein körperlichen Sinne, sondern auch zwischen Körper und Psyche. Die Doppeldeutigkeit des Begriffes „Haltung“, der gleichermaßen innere wie äußere Haltung meint, ist daher kein Zufall. So muss es auch nicht verwundern, dass psychosomatische Faktoren – also ein Ungleichgewicht zwischen Körper, Geist und Seele – Rückenleiden verursachen. Verwundern könnte allenfalls, dass es tatsächlich Menschen gibt, die irgendwie ohne Rückenbeschwerden durchs Leben kommen.

Sprache und Rückengesundheit

Beim Rücken ist alles eine Frage der Haltung (Illustration: Bomboland)Die Sprache weiß mehr, als viele Sprecher wissen: So lässt sich der Zusammenhang zwischen Psyche und (Rücken-)Gesundheit bereits an vielerlei Begriffen und Wendungen erahnen, die sowohl körperliche Erscheinungsformen als auch innere Haltungen benennen und sich als menschliches Urwissen in der Sprache niedergeschlagen haben. Es wird nicht immer bemerkt, lässt sich jedoch leicht wiederentdecken:

So reden wir von „aufrichtigen“ und „gradlinigen“ Menschen und solchen, die „Rückgrat zeigen“. Diese Menschen sind charakterfest. Sie lassen sich nicht beugen und es gelingt ihnen offenkundig, innere und äußere Haltung erfolgreich in Einklang zu bringen.

Wenn Menschen dagegen „kriechen“ und „buckeln“ oder „unterwürfig“, „gedrückt“, „geknickt“, „halsstarrig“, starrköpfig“, „steif“, „schlaff“, „angespannt“, „haltlos“ oder „verkrampft“ sind, scheint es an der Harmonie sowohl zwischen Innen und Außen als auch zwischen Spannung und Entspannung zu fehlen. Menschen, die dauerhaft „viel auf dem Buckel haben“ und denen dabei „die Angst im Nacken“ sitzt, müssen nicht lang auf Rückenbeschwerden warten.

„Stillgestanden!“

Die Zwiespältigkeit zwischen innerer und äußerer Haltung erkennt man vermutlich nirgendwo besser als bei der militärischen Aufforderung, „Haltung anzunehmen“. Diese impliziert, dass der Soldat keine eigene Haltung hat (oder haben soll?) und dieser Mangel mit einer bis ins Detail definierten äußeren Haltung kompensiert wird:

„Der Soldat zieht die linke Hacke an die rechte, wobei die Füße ca. 60° auseinanderzeigen. Die Arme sind nicht komplett gestreckt und bilden einen sehr leichten Bogen. Die Hände sind gestreckt und liegen mit den Handrücken nach außen am Oberschenkel. Der Daumen liegt ausgestreckt entlang des Zeigefingers an, keinesfalls abgestreckt oder auf der Handinnenfläche.“

Offen bleibt nur die Frage, wie die Zehen zu positionieren sind. Die Sätze der Formaldienstordnung der Bundeswehr zur sogenannten „Grundstellung“ klingen eher nach einer Dressur als nach einer wirklich aufrechten Haltung.

„Rührt euch, Soldaten!“, möchte man rufen und wüsste zumindest die Medizin auf seiner Seite. Hier herrscht weitgehend Konsens, dass im Sinne der Gesundheit Bewegung besser ist als Strammstehen. Schnell stellt sich darüber hinaus auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit dieser Übung für den Kampfeinsatz. Denn: Wie groß würden Sie beispielsweise die Erfolgsaussichten eines Boxers einschätzen, der sich derart verkrampft mit blockierten Gelenken in den Ring stellt?


Ziviler Rückenschmerz

Nach Prof. Dr. med. Dietrich Grönemeyer resultiert der Rückenschmerz zumeist aus dem unmittelbaren Aufeinandertreffen von Vorgeschichte und Gegenwart, zumal wir auf das Gefühl der Bedrohung oder Überforderung noch genau wie unsere Vorfahren aus der Steinzeit reagieren: „Der Rücken spannt sich, wir sind auf dem Sprung, muskulär disponiert für die Flucht oder den Angriff. Da wir aber, zu Menschen geworden und zivilisatorisch gezügelt, nicht mehr wirklich wegspringen können, keine Chance besteht, die Spannung in der Aktion zu lösen, manifestiert sich die spontane Reaktion zum schmerzhaften Dauerzustand.“

Rückenschmerzfreier Fortschritt der Zivilisation

Abhilfe schafft nur eine Änderung der inneren Haltung und das Wissen, welche Ängste und Lasten den Rücken verspannen. Bei der Behandlung der meisten Rückenbeschwerden bringt nur die Frage nach den tieferen Ursachen dauerhaft Aussicht auf Erfolg. Gefragt ist eine ganzheitliche Betrachtung, die sich nicht allein auf die Symptombekämpfung beschränken darf. Für die Medizin fordert Grönemeyer ein „multidisziplinäres Zusammenwirken von Hausarzt, Krankengymnasten, Osteopathen, Manual- und Sporttherapeuten, Naturheilkundlern und Therapeuten psychischer Disziplinen.“

Zu einem rückenschmerzfreien Fortschritt der Zivilisation braucht es ein Netzwerk ganzheitlicher Medizin „mit Schulmedizin und Naturheilkunde, mit Herz und High-Tech. Der aufrechte Gang sollte uns das wert sein. Unser Rücken hat es verdient.“ Bruder Herbert hätte es schöner nicht singen können.

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